Das Venedig des Nordens: Stockholm

Fotos: Annett Ullrich

In unserer Rubrik „Ich bin mal kurz weg“ stellen wir Reiseziele in Europa vor, die schnell erreichbar sind und zwischen Geschichte, Kultur, Natur und Shopping viel zu bieten haben. Diesmal: Stockholm, gern als Venedig des Nordens beschrieben.

Reales Geld brauchen Sie nicht, wenn Sie nach Stockholm reisen. Wirklich alles ist mit Kreditkarte oder EC-Karte bezahlbar, selbst die öffentlichen Toiletten. Schon zu Hause fängt es an: Der Erwerb des Stockholm-Passes funktioniert online via virtuellem Bezahlvorgang. Die Anschaffung dieses Passes rechnet sich, denn zu mehr als 60 Sehenswürdigkeiten bietet er freien Zugang. Auch die beliebten Bus- und Bootstouren sind inkludiert. In Stockholm angekommen, kommt es darauf an, einen guten Plan zu haben, um möglichst viele der angebotenen Museen zu besichtigen, Touren und Ausflüge mitzumachen.

Prächtige Gibelhäuser auf dem Marktplatz in der Altstadt

Ein Muss in Stockholm ist die Besichtigung der Altstadt. Die Gamla Stan ist eine von 14 Inseln, auf denen sich die schwedische Hauptstadt gründet. Vom Wasser umgeben ist die historische Altstadt Stockholms der Ausgangspunkt für ihre über 700-jährige Geschichte. Birger Jarl errichtete hier im 13. Jahrhundert an strategisch günstiger Lage im Mälarsee seine Burg, um die Stadt und das Hinterland vor Piratenplünderungen zu schützen. Wo einst die Burg stand, steht heute das Königliche Schloss, das zwischen 1690 und 1750 errichtet wurde. Im Schloss bestechen diverse Repräsentationsräume, Gemächer und der Reichssaal, wo auch der silberne Thronsessel steht, mit Größe und majestätischer Ausstrahlung. Außerdem ist das royale Herrschaftsgebäude Heimstatt für das Antikenmuseum Gustavs III., die Rüstkammer und die Schatzkammer mit den Königsinsignien. Über den Schlosshof gelangt man zur Schlosskirche. In Storkyrkan finden die königlichen Hochzeitsfeiern statt genauso wie die Krönungsfeierlichkeiten. Gebaut wurde sie im 13. Jahrhundert in Backsteingotik, 1740 verkleidete man die dem heiligen Nikolai gewidmete Kirche mit einer Barockfassade, so dass sie besser zum barocken Schloss passte.

Durch die engen Gassen der Gamla Stan laufend, erreicht man den berühmten Stortorget, den alten Marktplatz Stockholms mit den prächtigen Aristokraten- und Kaufmannshäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Es lohnt es sich auf den Bänken Platz zu nehmen, Leute zu beobachten und ein Eis zu essen, das natürlich mit Plastikgeld zu bezahlen ist. Auch deutsche Kaufleute tummelten sich einst auf dem Marktplatz Stockholms, denn zur Blütezeit der Hanse hatten sie sich in einer Gilde organisiert. Sie trafen sich in einem Versammlungshaus, das heute Teil der Deutschen Kirche ist. Die Tyska Kyrkan, die Kirche St. Gertrud, ist mit ihrem 96 Meter hohen Turm sogar das höchste Gebäude der Stockholmer Altstadt. Wie in vielen europäischen Metropolen befand sich am Marktplatz auch die alte Börse. In diesem Gebäude residiert heute das Nobelmuseum. Ein Besuch lohnt sich, denn über interaktive Points und smarte Galerien erfährt man viel über die Preisträger und das Leben des Preisstifters Alfred Nobel. Die Verleihung der Nobelpreise, die seit 1901 in unterschiedlichen Kategorien vergeben werden, findet im Konzerthaus statt. Im Ratssaal des Stadshuset aber, gelegen auf der Insel Kungsholmen und von 1911 bis 1923 in einer Mischung aus venezianischem Palazzo-Stil und nordischer Backsteingotik errichtet, erleben die Preisträger ein festliches Bankett. Unterhalb des Stadshuset befindet sich die Anlegestelle der Dampfer, die nach Gripsholm oder nach Drottningholm fahren. Da die königliche Familie tatsächlich auf Drottningholm lebt, kann man das Schloss nicht besichtigen, wohl aber die barocke Gartenanlage. Allein schon die Fahrt, rund 2 Stunden für eine Tour, ist ein Vergnügen. Relaxt gleitet man durch die liebliche und ursprüngliche Schärenlandschaft Schwedens dahin. Entspannung findet man auch in Skansen, das sich auf der Insel Djurgarden befindet. Das älteste Freiluftmuseum der Welt vermittelt die Schönheit der schwedischen Natur. Ein bisschen fühlt man sich wie Nils Holgerson auf Entdeckungstour in Bullerbü.

Die königliche Familie wohnt auf Schloß Drottningholm

Wenn man schon auf Djurgarden ist, ist ein Besuch des ABBAMuseums unbedingt empfehlenswert. Nicht im Stockholmpass inkludiert, erwirbt man die Tickets für ein festes Zeitfenster bereits online zu Hause. Das Museum zeigt die Anfänge, die Höhepunkte und das Ende dieses schwedischen Exportschlagers, genauso wie aktuelle Entwicklungen wie das Abba- Musical oder den Film. Und die Mutigen können ihr Gesangstalent im Karaokestudio versuchen.

Shoppen ist in Stockholm genauso ein Genuss wie Essen. In zahlreichen Boutiquen und vor allem in den großen Kaufhäusern Ahlens und Nordiska mit 100 Einzelboutiquen auf sechs Stockwerken finden die Modeenthusiasten auch mal Marken jenseits des europäischen Mainstreams. Essen gehen macht mit Blick auf den Teller Spaß, mit Blick auf den Geldbeutel eher nicht, denn wirklich alles ist hier teurer als gewohnt. Ein Essen zu zweit mit Getränken ist für durchschnittlich 85 € zu haben, wobei man auch das Trinkgeld in die bargeldlose Zahlungsart integriert. Und trotz des ganzen virtuellen Bezahlens, kann man auf der Straße noch die eine oder andere Glücks-Krone finden. So wird der Trip nach Stockholm zum vielleicht ersten Urlaub, aus dem man mit mehr Bargeld nach Hause fährt als mitgebracht.