Ein offenes Haus

Foto: David von Becker

Seit Herbst 2018 präsentiert das PalaisPopulaire der Deutschen Bank eine spannende Mischung aus Kunst, Kultur und Sport. Plüsch und Kronleuchter waren gestern: Das ehemalige Operncafé Unter den Linden wurde einer Komplettverwandlung unterzogen und ist auf dem besten Wege, sich im Herzen Berlins als coole Location einen Namen zu machen.

Wer den einst beliebten Szenetreffpunkt mit den samtbezogenen Sesseln noch kennt, staunt nicht schlecht, wenn er heute die Räume des historischen Prinzessinnenpalais mit seiner Barock-Fassade betritt: Sicht-Beton und klare Formen sorgen dafür, dass nichts das Auge stört. Coolness ist Programm und verfehlt seine Wirkung nicht. Die Überraschung ist geglückt. „Das neue Haus bietet Raum, um neu und quer zu denken“, beschrieb denn auch Thorsten Strauß, Chef des 2016 gegründeten Bankbereichs Art, Culture & Sports, anlässlich der Eröffnung des Hauses das Anliegen dieses Projektes der Deutschen Bank. „Als offener Ort trägt das Palais Populaire dazu bei, Grenzen zu überwinden – nicht nur zwischen den Themen Kunst, Kultur und Sport, sondern auch zwischen Menschen und Lebenswelten.“

Populär, das bedeutet hier: Offen für alle, ohne dass der Anspruch auf der Strecke bleibt. In der Nachfolge der Kunsthalle Unter den Linden bietet dieses Haus ein ebenfalls breit gefächertes Programm, das die unterschiedlichsten Aspekte der Gegenwartskultur vereint. Dazu gehören Präsentationen aus der Sammlung Deutsche Bank, von internationalen Kooperationspartnern oder aus privaten Sammlungen ebenso wie Literatur, Musik, Sport, Parcours, Performance und Tanz.

Gelungen in der Verbindung zwischen Tradition und Zukunft, lokaler und globaler Kultur sind auch die gegenwärtigen Ausstellungen:

Caline Aoun: seeing is believing – Foto: Mathias Schormann

Caline Aoun: seeing is believing

Eine fast teerschwarze Fläche splittert sich immer mehr in rot-violett schimmernde Farbfelder auf und zersetzt sich dann in schmaler werdende Balken aus Hellblau, Türkis und Gelb. Schließlich bleibt nur beinahe reines Weiß: Einfache Inkjet-Drucker kollabierten nach dem Auftrag „Ganzseitiges Schwarz“ und brachten zunehmend reduziertere Bilder hervor. Die daraus entstandene Wandarbeit Contemplating Dispersions ist eines der Werke der jungen libanesischen Künstlerin Caline Aoun, „Artist of the Year“ der Deutschen Bank, die noch bis zum 2. März 2020 zu sehen sind. Dieses und die weiteren Ausstellungsobjekte bilden nicht nur ab, sondern sind vielmehr selbst das handfeste Ergebnis eines vermeintlich unsichtbaren Prozesses, der dem Betrachter unmittelbar vor Augen geführt wird. Der Ausstellungstitel seeing is believing ist also ganz wörtlich gemeint. „Meine Werke mögen ziemlich abstrakt sein,“ sagt Aoun, „doch zugleich ähneln sie etwas sehr Realem.“ Ihre Ausstellung erzählt vom Zusammenbruch, von der Überforderung von Systemen. Caline Aoun hat dabei eine klare Botschaft: dass der Lärm aufhören muss, dass wir Raum und Innehalten brauchen, um neue Systeme und zu uns selbst zu finden.

Das Totale Tanz Theater

Eine unter der Federführung der Interactive Media Foundation konzipierte und realisierte Installation versetzt die Gäste in einen 400 Meter hohen Virtual-Reality- Dom. Mit VR-Brillen agieren die Besucherinnen und Besucher in einem spektakulären Gesamtkunstwerk, welches das Verhältnis von Mensch und Maschine im digitalen Zeitalter erkundet. Von einem solchen Ort, an dem Kunst und Technik verschmelzen und völlig neue Welten eröffnen, träumten vor hundert Jahren bereits die Bauhaus-Künstler Walter Gropius und Oskar Schlemmer, letzterer der Schöpfer des Triadischen Balletts. Jetzt lässt die Virtual-Reality- Inszenierung Das Totale Tanz Theater diese Vision bis zum 31. Januar 2020 Wirklichkeit werden.

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