Der Kabarettist mit dem Akkordeon

Foto: Janine Guldener

Dieter Hildebrandt nannte ihn ein „Jahrhunderttalent“ – Andreas Rebers hat so gut wie alle Kabarettpreise bekommen, die wertvoll sind. 1997–1999 war er Mitglied der Münchner „Lach- und Schießgesellschaft“. Bei seinen bundesweiten Touren wird er auch im Dezember wieder in den Wühlmäusen in Berlin zu sehen sein. Wir haben mit ihm gesprochen und natürlich so kurz vor den Feiertagen die ultimative Frage gestellt.

Wie feiern Sie Weihnachten? Mit der Nachbarin Frau Hammer, geb. Sichel … aus den Sketchen?

Mit meiner Familie. Also meiner Frau und unseren beiden Kindern. Vati kocht und es gibt einen Weißburgunder aus Österreich.

Sie sind ja geprüfter Akkordeon-Lehrer – haben aber in letzter Zeit weniger Auftritte mit diesem Instrument? Oder täuscht das?

Ich habe gerade mehr Songs, die mit dem E-Piano spannender sind. Ich arbeite aber an neuen Liedern, für die das Akkordeon dann wieder geeigneter ist. Akkordeon ist dann doch irgendwie immer auch ein robustes Mandat.

Welche Rolle spielt die Musik in Ihren Nummern?

Musik ist eine eigene Sprache und so kann ich verschiedene Stimmungen zum Klingen bringen. Manchmal genügen nur ein paar Töne, um etwas Poesie in den Raum zu bringen. Im Fernsehen sorgen Lieder übrigens im Kabarett regelmäßig zu fallenden Quoten. Das liegt daran, dass die Zuschauer glauben zu wissen, was die nächsten 3 Minuten passiert. Nur bei Rainald Grebe und mir blieben die Quoten stabil.

Welchem Kollegen/welcher Kollegin stehen Sie gedanklich nahe? Haben Sie Vorbilder?

Hader, Polt, Bruno Jonas, Rainald Grebe oder Alfred Dorfer. Bei den jüngeren Kollegen sehe ich zu Hazel Brugger und Sebastian Puffpaff geistige Verwandtschaft.

Ich denke, Sie nervt politische Korrektheit, Sie suchen eher die Auseinandersetzung? Manche finden Sie sogar „radikal“ – gibt es manchmal Ärger mit TV-Redaktionen? Oder haben Sie eine „innere Schere“?

Mein wichtigstes Betätigungsfeld ist und bleibt die Bühne. Auf der Bühne habe ich eine ganz persönliche Verabredung mit meinem Publikum, das ich mir über zwanzig Jahre erspielt habe. Das Fernsehen ist eher dazu da, dass man auch ein paar Quereinsteiger ins Kabarett bekommt. Die politische Wirkung von TV-Kabarett halte ich für übertrieben. Kabarett ist eine außermediale Kunstform. Dieter Hildebrandt sagte vor vielen Jahren in einem Scheibenwischer zu mir: „Geh raus und spiel eine gute Nummer.“ Das gilt für mich bis heute. Und was Radikalität angeht, musste ich bislang keine Kompromisse machen.

Außerdem werde ich ja in Kabarettsendungen eingeladen und da bin ich eben auch der Gast von Schramm, Priol oder Barwasser, Dieter Nuhr, Alfons oder Sebastian Puffpaff und dann schaut man sich kollegial an, was in der Sendung alles passiert, und trägt seinen Teil dazu bei, dass es für alle eine schöne Sendung ist.

Haben Sie schon einmal auf einen Auftritt, auf eine Nummer wegen Änderungsvorschlägen verzichtet?

Nein. Ich hatte neulich die Situation, dass ich für Dieter Nuhr im Ersten zwei Nummern angeboten habe, mich dann für eine entschied, die Redaktion dann allerdings doch lieber die andere haben wollte. Da haben wir ein bisschen diskutiert und dann habe ich mich umentschieden.

Sie haben einmal gesagt, Sie seien kein „Empörungsdienstleister“ – was bedeutet das?

Für mich ist und bleibt das Kabarett eine Bühnenkunstform. Es wird immer gefragt, was Satire darf. Für mich stellt sich diese Frage aber so nicht. Mich interesseiert, was Satire bzw. der Satiriker kann. Alfred Dorfer sagte in einem Interview mit der taz: „Um Recht zu haben, muss ich nicht viel können.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Sehen Sie ein Humorgefälle in Deutschland?

Ich sehe bei meinen Tourneen, dass es viele Regionen gibt, die unterversorgt sind. In Berlin kann ich jeden Abend ein halbes Dutzend hochwertiger Kabarettprogramme sehen. Das ist in Halle oder in Cottbus anders. In der Fläche ist das Publikum weniger geschmäcklerisch und umso größer ist die Freude, wenn man zu den Menschen in die „Provinz“ geht, als sich über sie in den Metropolen das Maul zu zerreißen.

Wären Sie gern mal wieder Ensemblemitglied?

Ich habe gerade eine Karl Valentin-Produktion mit der Schauspielerin Barbara De Koj, dem Kollegen Helmfried von Lüttichau und dem Musiker Heinz Grobmeier gemacht. Tolle Sache.

Nach welcher Maxime erziehen Sie Ihre Kinder? Gehen diese auf Freitagsdemos?

Die sind jetzt 23 und 25 Jahre alt und die Erziehung ist dann irgendwann einmal abgeschlossen. Die beiden gehen gelegentlich auf Demos, sind aber keine politischen Aktivisten. Sie stehen wie der Papa auf der Bühne, und wenn es was zu sagen gibt, dann machen sie das auch.

Wofür sind Sie optimistisch für 2020? Wofür pessimistisch?

Ich betrachte meine Kunst ja als Kabarett der radikalen Mitte, das zunehmend auf Zuspruch trifft. Insofern sieht mein Tourplan sehr gut aus. Ich halte mich für einen gemäßigten Optimisten und denke, dass es auch in 2020 Rücktritte geben wird. Der Pessimismus bezieht sich dann doch auch auf diese anstehenden Rücktritte, weil ich davon überzeugt bin, dass sie nicht ausreichen werden. Gerade hat Andi Scheuer dem Bahnchef das Vertrauen entzogen. Anders wäre es richtiger gewesen.

Sie werden manchmal vom Goethe-Institut eingeladen – welche Nummern kommen im Ausland gut an – ähnliche wie hier?

Im Ausland gibt es eine große deutschsprachige Comunity und Studenten der jeweiligen Länder, die Deutsch als Fremdsprache erlernt haben. Die sind in der Regel sehr gut informiert und interessiert. Bei solchen Auftritten nehmen die Musik und meine Lieder wieder einen größeren Raum ein als in meinem aktuellen Programm „Ich helfe gern“. Musik ist eine Universalsprache. Ich baue dann Lieder und Volksmusiken aus dem Gastland ein, was die Menschen mit großer Begeisterung beantworten. Wenn ich zum Beispiel in Belgrad das Lied „Djurdjevdanje“ singe, stehen sie auf und singen mit. In Sofia hat das Staatsfernehen einen Bericht über mich gemacht, weil ich seit vielen Jahren bulgarisches Akkordeon spiele. Die meisten Gastspiele über das Auswärtige Amt oder das Goethe-Institut habe ich in Portugal gemacht. Da ich die Sprache gelernt habe, kann ich sogar Teile des Programms dann in der Landessprache machen. Das macht super viel Spaß, weil das die deutschen Rentner, die dort leben, nicht verstehen. Da soll es auch gelegentlich Integrationsprobleme geben.