Werder Classics 2019: so jung und schon so souverän

Fotos: Kai Fröhlich

Es ist erst die vierte Ausgabe, doch Oldtimerliebhaber haben die Werder Classics schon fest in ihr Herz geschlossen. Keinen geringen Anteil daran dürfte die Location haben. An zwei Tagen fanden rund 8.000 Besucher den Weg in das Havelstädtchen.

Bodo Manitz’ T2a-Mini-Pritsche schien dem Kinderkarussell entsprungen, ja, entwachsen. Zum Teenie gereift, die inneren Werte gar erwachsen. Die technische Leistung, die darin steckt, allemal. Das Meisterwerk im Originalfarbton Chiantirot ist 100 % Eigenbau im Maßstab 1:2. Das Blech, das nur gebogen oder gepresst, aber nie gedengelt wurde, enthält Spuren von Bratpfannen, Kugelgrills und aufgetrennten Ovalrohren, die Schubkarrenräder laufen auf Vespa-Reifen. Natürlich verfügt der Mini-Bulli über funktionierende Blinker, Hupe, Brems- und Abblendlicht, auch ein passendes Blaupunkt- Radio musiziert auf Knopfdruck. Damit war der Zwergentransporter ein wahrer Magnet für kleinere und größere Kinder. Besonders die Kleinen protestierten lautstark, wenn sich die Mamas und die Papas wieder größere Autos angucken wollten. Gebaut hat ihn übrigens kein Karosserie- oder Metallbauer, sondern ein pensionierter Berufsfeuerwehrmann, für seine Enkeltochter Anna. Das VW-Virus stammt von den Eltern der Kleinen, verbreitet sich aber epidemieartig schnell in der ganzen Familie.

Umringt waren die Bullifreunde von einer ordentlichen Sammlung amerikanischer Straßenkreuzer. Wie schon bei der Classic Remise waren sie zahlreich gleichermaßen aus Berlin wie aus dem Umland angereist und glänzten mit ihren dicken Chromstoßstangen im Kaiserwetter um die Wette. Die Uferwiesen links und rechts der Inselbrücke hatten sich flugs gefüllt, an beiden Tagen. Es gab Sechziger-Jahre-Musik auf der Bühne und original DDR-Eis mit original heißlaufender Kühltechnik – das gehört irgendwie jedes Jahr auch dazu. Die (drei) Herren von der Tankstelle spielten mal hier, mal dort Oldies zwischen den Classics.

Auf der Überfahrbühne präsentierte der gastgebende MC Blütenstadt aus eigener Sammlung ein Dürkopp Motorrad von 1902, nebendran stand ein Stationärmotor von 1903, der mit tiefenentspannten 80 Umdrehungen pro Minute vor sich hin tuckerte. Drumherum Biergartenatmosphäre, Food Trucks und entspannte Stimmung. An Kuriosa darf der DDR-Golf-1 erwähnt werden, unter anderem mit Sonderausstattung M 085 „Erhöhung der serienmäßig vorgesehenen Kraftstoffeinfüllmenge“, ein himmelblauer Trabant 601 aus dem allerersten Produktionsjahr und ein Mercedes 350 SE – W 116 mit nicht weniger als 31 Sonderausstattungen.

Die schönen Uferwiesen der Werderinsel und das perfekte Wetter lockten pro Tag 400 PKW, 100 Motorräder und etwa 4.000 Besucher an, und ich bin mir sicher: Jeder ist mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause gefahren.

Nächstes Jahr feiert Werder Classics sein 5-Jähriges, dazu plant Cheforganisator Paul Wodak einen ganz besonderen Motorrad- Stunt. Man darf gespannt sein!

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