Vom Bauhaus mit der Postmoderne zur Stadtreparatur

Blick von der Sechserbrücke zur Bibliothek - Foto: Gaby Bär

//GESPONSERT – Das staatliche Bauhaus, 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet zum Zwecke der Zusammenführung von Kunst und Handwerk, gilt als Avantgarde der Klassischen Moderne. Die ursprünglichen Intentionen von Henry van de Velde und Walter Gropius waren, die Kunst von der Industrialisierung zu emanzipieren und das Kunsthandwerk wiederzubeleben.

Im Bauhaus-Manifest von Walter Gropius ist zu lesen: „Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau! … Architekten, Maler, wir alle müssen zum Handwerk zurück! … Der Künstler ist eine Steigerung des Handwerkers.“ Die Resonanz des Bauhauses hält bis heute an und prägt wesentlich das Bild der modernistischen Strömungen. Die Postmoderne ist eine Architektur der Erinnerung. Sie sieht die Tradition nicht als etwas, das überwunden werden muss, sondern betrachtet sie als Sammlungen von Möglichkeiten, derer sie sich bedient. Die Rückbesinnung auf geschichtliche Vorbilder und Wurzeln wurde somit zum leitenden Gedanken.

Die Postmoderne lehnt bloßen Funktionalismus ab. Baukonzept wie auch Fassade werden zum Bedeutungsträger des Gebäudes und bewirken, dass postmoderne Bauwerke Geschichten erzählen. Die geschaffene Architektur soll sich in Vorhandenes einordnen und es ergänzen, in Richtung Ensemble-Gedanken, also kein Einheitsstil, sondern eine Architektur für einen besonderen Ort.

Sie dient also in besten Sinne der „Stadtreparatur“

Tegeler Hafen 1969 mit Kleingärten, Gärtnerei und Senatsreserve Kohlen – Foto: Sammlung PostMaxe

Wie man am Beispiel der von 1980–88 entstandenen postmodernen Wohnsiedlung „Am Tegeler Hafen“ sieht, die mit der Humboldt-Bibliothek in der Karolinenstraße 19 zu den großen städtebaulichen Projekten der IBA 1987 gehört. Der städtebauliche Entwurf dazu kam von einem internationalen Team um die US-amerikanischen Architekten Charles Moore, John Ruble und Buzz Yudell. Die Umformung eines brachgefallenen Hafenareals, das in den 60er- Jahren noch aus Kleingärten, Gärtnerei und der Lagerkapazität für die Senatsreserve Kohle bestand, zu einer landschaftlich aufgefassten Siedlungsstruktur mit Beziehungen zum Wasser prägt den Charakter der Gesamtanlage.

Neben der großen Wohnanlage sah der Entwurf auf einer künstlichen Insel unterschiedliche Freizeiteinrichtungen vor, die mit der Humboldt-Bibliothek und einer Gruppe von Kulturbauten am Ostufer des Hafens korrespondieren sollten, was leider nicht komplett umgesetzt wurde.

Die Außenanlagen bieten mit einer großzügigen Plaza, einer Uferpromenade auf zwei Ebenen und qualitätsvollen Gartenhöfen eine kluge und abwechslungsreiche Kombination aus privaten und öffentlichen Freiräumen, die die Wohnanlage zudem optimal mit dem angrenzenden Stadtraum bis hin zur Greenwichpromenade verbindet.

Ziel der IBA‘87 war die Entwicklung und Neubelebung ausgewählter „Demonstrationsgebiete“ in West-Berlin. Die IBA-Stadterneuerung und der IBAStadtneubau waren für die „Stadtreparatur“ durch Neubauprojekte verantwortlich. Diese folgte dem Konzept der „kritischen Rekonstruktion“ – die Neubauten orientierten sich an der Stadtgeschichte des jeweiligen Ortes.

Entwurf – Grundlage für die Bebauung – Foto: Gaby Bär

Diese Projekte stehen bis heute beispielhaft für die unterschiedlichen Aufgaben, Strategien und Lösungen einer auf das soziale, geschichtliche und bauliche Potenzial bezogenen Stadterneuerung. Sie zeigt einen Querschnitt der internationalen Architekturproduktion der 1980er- Jahre. Mit dem großen Bestand ist die IBA ‘87 als deutscher Beitrag im stadtplanerischen, städtebaulichen und architektonischen Diskurs von großer Bedeutung und ein vielbeachtetes Zeugnis der Städtebau- und Architekturgeschichte mit internationaler Strahlkraft.

Das Landesdenkmalamt Berlin (LDA) hat weitere Bereiche der Internationalen Bauausstellung 1987 (IBA ‘87) im Mai 2019 unter Schutz gestellt.

Neu auf der Denkmalliste stehen nun zum Thema Stadtreparatur neben dem Demonstrationsgebiet Tegel mit der Bebauung am ehemaligen Hafen und der nahegelegenen Phosphateliminationsanlage:
• die neue Einfassung des Prager Platzes,
• das Gebiet im Südlichen Tiergartenviertel mit Wohn- und Geschäftshäusern, Stadtvillen, Townhouses, Energiesparhäusern sowie am Nordufer des Landwehrkanals dem Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) und dem Umspannwerk Lützowplatz , einem der wenigen Industriebauten der IBA ‘87.

Kultur-Senator Lederer begrüßte die Unterschutzstellung: „Die IBA ‘87 hat nicht nur Architekturgeschichte geschrieben, sondern auch Maßstäbe für die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an der Entwicklung ihrer Stadt gesetzt. Ohne die IBA würden wir heute nicht so breit und öffentlich über das Wohnen in der wachsenden Stadt debattieren.“

Auch um das Tegeler Hafenbecken, wie auf der künstlich angelegten Insel vom IBA ‘87-Entwurf und der Humboldt- Insel, sind in den vergangenen Jahren weitere Neubauten entstanden, die Sichtachse von der Sechserbrücke zur Humboldt-Bibliothek ist aber noch erhalten geblieben.

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