Mit dem Auto baden gehen

Fotos: privat

Ja, das Kultobjekt Amphicar schwimmt tatsächlich, dieses hochbeinige Auto mit vier Rädern und zwei dreiblättrigen Kunststoffschrauben am Heck. Die Verwandlung vom Auto zum Boot geht schnell: Kurz vor dem Eintauchen ins Wasser wird das Getriebe der Hinterräder ausgekuppelt und es wird auf das Wendegetriebe der beiden Schrauben geschaltet – fertig!

Entworfen hat das Amphicar Hans Trippel – er hatte schon vor dem 2. Weltkrieg Schwimmwagen gebaut. Nach Kriegsende nahm er die Idee wieder auf und wollte mit dem Industriellen Harald Quand die Serienproduktion in den USA starten, aber das Geschäft war ein Flop – zu aufwändig war die Produktion und so war der Traum vom US-Markt schnell ausgeträumt: zu klein für die dortigen Ansprüche und zu langsam mit seinen 38 PS.

Damit schafft das Amphicar auf der Straße 120 km/h und im Wasser umgerechnet so um die 12 km/h. Aber dorthin muss man erst mal gelangen – die Einfahrtmöglichkeiten von der Straße ins Wasser waren und sind nicht üppig gesät. Und das Amphicar galt schnell als unzuverlässig, weil auf Probefahrten einige untergingen. Trotz doppeltem Boden, handgeschweißten Nähten und dicken Türdichtungen gehört eine Lenzpumpe zur Serienausstattung, man weiß ja nie … Und nach jedem Wasserkontakt folgen arbeitsintensive Stunden: Die unzähligen Schmiernippel müssen versorgt werden, sonst verrottet das Gefährt unter den Augen seines Besitzers. Und: Salzwasser ist ein absolutes No-Go.

Auch auf dem europäischen Markt kam das Geschäft nicht so richtig in Fahrt, und so war 1963 Schluss mit den Wasserautos. Die letzten wurden für den halben Preis, also für rund 5.600 Mark, verscherbelt. Wenn mal jetzt eins auf dem Oldtimermarkt finden sollte, muss man bis zu 50.000 Euro für dieses Schwimmauto hinblättern, je nach Erhaltungszustand. Denn regelmäßige Pflege ist ein absolutes Muss. Die Ampicars, die heute noch in den Händen von Liebhabern sind, werden gehegt und gepflegt. Ihre stolzen Besitzer sind in verschiedenen Clubs organisiert. In Berlin gibt es den größten Amphi Cars Club, der in ganz Deutschland Treffen und Events organisiert.

Weltweit soll es nur noch ca. 200–500 Amphibien- Autos geben, dem Kultstatus kommt das nur zugute. Vielleicht sehen Sie ja mal so ein kultig-knuffiges Gefährt – bitte sofort fotografieren, wer weiß, wie lange es sie noch gibt, die Amphicars …

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