Mehr als ein Schönheitsfehler

Fotos: Orthodont

//GESPONSERT – Wenn Zähne schlecht gepflegt werden, können Karies oder Parodontitis entstehen. Während bei kariösen Zähnen der Zahnschmelz durch die aggressiven Bakterien angegriffen wird, führt die hochgradige Vermehrung von Erregern bei der Parodontitis zur Entzündung von Zahnfleisch und Zahnhalteapparat mit gefährlichen Folgen für die Gesundheit.

Wie sehr die Entwicklung von Karies und Parodontitis durch Zahnfehlstellungen begünstigt wird, erklärt uns der Berliner Fachzahnarzt für Kieferorthopädie M. Sc. Simon Can.

Dass Zucker und mangelhafte Zahnreinigung auf Dauer Karies verursachen, ist den meisten Menschen bekannt. Doch auch Zahnfehlstellungen spielen eine große Rolle bei der Entstehung von Karies. Bitte erklären Sie uns den Zusammenhang.

Gerne. Jede Zahnfehlstellung begünstigt die Entwicklung von Karies. Wenn die Zähne nicht akkurat nebeneinander stehen, können sie nicht gut gereinigt werden. Engstände von Zähnen, gekippt oder verschachtelt stehende Zähne werden von der Zahnbürste und selbst der Zahnseide schlecht bis gar nicht erreicht. Hier nisten sich im Laufe der Zeit Bakterien ein. Kommt dann noch eine unregelmäßige oder schlecht ausgeführte Mundhygiene dazu, vermehren sich die Beläge auf den Zähnen. Diese Beläge sind säurehaltig und damit hochaggressiv zum Zahnschmelz. Wird Zahnschmelz abgebaut – wir sprechen dann von Demineralisierung, die als worst case im Zahnschmelzeinbruch endet – entsteht Karies, die gefürchtete Zahnfäule. Werden die Zähne durch kieferorthopädische Maßnahmen begradigt, ist alleine schon die natürliche Zahnreinigung über den Speichel mit Zuhilfenahme von Zunge, Lippen und Wange wieder möglich.

Welche Fehlstellungen von Zähnen ebnen besonders den Weg zur Entstehung von Karies?

Engstände von Zähnen und schlimmer noch Überlappungen. Schieben sich Zähne übereinander, entstehen Kontaktflächen (anstatt Kontaktpunkten), die mit einem „normalen“ Zähneputzen nicht gereinigt werden können. Die üblicherweise propagierten zwei bis drei Minuten reichen allerdings ohnehin nicht aus, die Zähne korrekt zu säubern – aber erst recht nicht, wenn klassische Fehlstellungen der Zähne vorliegen. In diesen Fällen dauert das Zähneputzen weitaus länger. Und dennoch wird man die Beläge auf den Kontaktflächen nicht erreichen, man sieht sie ja nicht einmal.

Würden Sie sagen, dass sich Karies und eine Zahnfehlstellung sogar noch gegenseitig potenzieren?

Ja, unbedingt! Je stärker die Fehlstellung, desto schwieriger – aber notwendiger – die korrekte Mundhygiene. Das ist ein Teufelskreis, aus dem Sie nur über die notwendige kieferorthopädische Regulierung der Zahnfehlstellung herauskommen. Übrigens gibt es eine ganz einfache Möglichkeit zu kontrollieren, wie effektiv die Zahnreinigung ist: Kaufen Sie in der Apotheke Plaquerevelatoren, und nehmen Sie davon einige Tropfen in den Mund. Dort, wo sich noch Zahnbelag befindet, werden Verfärbungen auf Plaque hinweisen und Ihnen so anzeigen, dass Ihr Putzverhalten nicht optimal ist. Gerade die Innenseiten der Zähne sind besonders schwer von Belägen zu reinigen, gleiches gilt für die oben beschriebenen Überlagerungen von Zahnflächen, für Engstände oder andere individuelle Anatomien.

Kann ein fest sitzendes Zahnspangensystem die Entstehung von Karies fördern?

Das könnte man tatsächlich annehmen, stimmt aber nicht! Denn die Ursache für die sich auflagernden Bakterien ist nicht die Zahnspange, sondern auch hier wieder die mangelhafte Mundhygiene. Die Spangensysteme von heute sind nicht so verwinkelt, als dass sie sich nicht reinigen ließen. Die Brackets sitzen luftdicht auf den Zähnen – hier besteht also keine Angriffsmöglichkeit für Bakterien. Um die Brackets selbst ist genügend Platz, dass die Dentalbürste korrekt an alle vier Ecken herangeführt werden kann. Etwas schwieriger ist allerdings die vertikale Seite; sie muss mit kleinen Bürsten gesäubert werden.

Was macht eine Parodontitis so gefährlich?

Die Stoffwechselgifte der Bakterien können über die Blutbahn im ganzen Körper verteilt werden. Besonders gefährdet sind herzschwache und immungeschwächte Menschen. Wir haben bei der Karies gesehen, wie die säurehaltigen Ausscheidungsprodukte von Bakterien den Zahnschmelz angreifen und sogar zerstören können. Haben diese anaeroben (ohne Sauerstoff lebenden) Bakterien nun aufgrund mangelnder Zahnreinigung und zusätzlich noch Zahnfehlstellungen bestmögliche Voraussetzungen gehabt, sich massiv vermehren zu können, kommt es zu Entzündungen im Bereich des Zahnfleisches und Zahnhalteapparates. Über die Blutbahn verteilen sich die Bakterien dann im Organismus.

Wie kann festgestellt werden, ob eine Parodontitis vorliegt?

Zahnärzte können mit einer Sonde feststellen, wie tief sich die Anaerobier in die Zahnfleischtaschen, die sich dann zwischen Zahnfleisch und Zahnwurzel gebildet haben, bereits vorgearbeitet haben. Je tiefer diese sogenannten echten Zahnfleischtaschen oder Pseudotaschen, desto größer die Gefahr, dass durch die Entzündungsprozesse Knochensubstanz abgebaut wird und sich natürlich in Folge auch die Zähne lockern.

Wie kann man vorbeugen?

Abgesehen davon, dass mit normalem Zähneputzen die immer tiefer ins Zahnfleischgewebe vordringenden Bakterien nicht erreicht werden können, ist nachvollziehbar, wie schiefe oder zu eng stehende Zähne sowie Über- oder Unterbisse zu solchen fatalen Prozessen beitragen.

Nur wenn die Zähne nach einer kieferorthopädischen Korrektur so korrekt stehen, dass sie perfekt gereinigt werden können, kann das hohe Niveau einer Mundhygiene erlangt werden, das nötig für unsere Gesundheit ist. Denn wie wir gerade besprochen haben, sind Erreger im Mund kein lokales Problem, sondern können durch die Ausbreitung über die Blutbahn zu einem sogar lebensbedrohlichen Szenario, wie u. a. einer Herzbeutelentzündung, führen!

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