Männer 2018 – Über Träume, Bärte und zehn unverzichtbare Kleidungsstücke

Foto: Pixabay

Im Spätsommer in Rostock. Ein gut angezogener junger Mann sitzt auf der sonnigen Terrasse eines Cafés und – man muss unwillkürlich zwei Mal hinschauen – ja, er strickt. Was lange Zeit als rein weibliche Beschäftigung galt, steht ihm auch gut zu Gesicht. Und wer definiert überhaupt, was männlich und weiblich ist, seit es Kampfpilotinnen und Kindergärtner gibt?

Um Fragen danach, wer bei der Formel 1 die Runden dreht oder mit 200 über die Autobahnen rast und wer Zigarren raucht, geht es schon lange nicht mehr. Besucht man hingegen einen Spielzeugladen, ist man überrascht über die antiquiert wirkende Einteilung in Pinkfarbenes für Mädchen und Tarnfleck für Jungs. Boxerinnen, Programmiererinnen, Jägerinnen, Rennfahrerinnen und Fußballerinnen – letztere immer weniger – sind zwar in der Minderheit, doch dringen immer mehr Frauen in frühere Männerdomänen vor. Männer wie der erwähnte Stricker hingegen sind noch seltener. Viele tun sich schwer damit, ihre zarteren und vermeintlich weiblichen Seiten zu offenbaren. Dabei kommt ein weicher Kern bei zahlreichen Frauen sehr gut an, was man erlebt, wenn Mann mal mit einem Kleinkind oder umgeschnallten Baby spazieren geht. Nur gerät man spätestens dann in ein Dilemma, wenn man beim Flirt mit der interessierten Dame gesteht, dass man Hausmann ist, als Altenpfleger, Schuhverkäufer oder im Kindergarten arbeitet. Bei vielen Damen gehen da die Jalousien runter. Es sind alles Tätigkeiten, die zu Unrecht über wenig Prestige verfügen und nicht als besonders männlich gelten. Dabei wäre an dieser Stelle ein Umdenken an der Zeit.

Männerträume?

Was ist eigentlich so richtig männlich? Eine Rinderfarm in Brasilien aufzumachen, so wie rbb-Moderator Daniel Gäsche, bekannt aus „rbb UM SECHS“, „BRANDENBURG AKTUELL“, „Abendschau“ und „Sportplatz“? „Ich glaube nicht, dass es ein ‚reiner‘ Männertraum ist, den ich hier verwirklichen will,“ schreibt der Publizist, Journalist und Buchautor aus Belem, wohin es ihn wegen seiner brasilianischen Ehefrau verschlagen hat. „Früher oder später, meist um die 50 herum, stellt sich bei beiden Geschlechtern doch die Frage, „und nun, war das alles, will ich so die nächsten 30 Jahre weiterleben oder meinem Leben noch einen ‚Kick‘ geben?“ Die Rinderfarm ist für den 49-Jährigen eine neue Herausforderung: „Sie war bewusst gewählt, auch weil meine kreativen Fähigkeiten und mein Können nicht mehr in dem Maße gefragt sind, wie ich es mir wünschen würde. Ich wollte immer gerne ins Ausland als Journalist, diese Möglichkeit hat sich nie ergeben.“ Nun geht er einen anderen Weg: „Mir ist klar, dass es dazu auch der Möglichkeit bedarf.

Wenn diese gegeben ist, dann ist es einen Versuch wert, die Chance zu ergreifen, um mir später keine Vorwürfe zu machen. Ich tausche ja bewusst hier nicht die Stadt gegen die Stadt ein – kaum eine Stadt bietet solche Möglichkeiten wie Berlin. Auch arbeite ich nicht journalistisch weiter in einer anderen Stadt. Hier geht es um ein anderes Lebensmodell und den Versuch, etwas gänzlich Neues zu machen, das noch einmal eine Herausforderung darstellt.“

Was Männer gern tragen – Bekleidungstrends 2018

Herausfordernd ist für manchen Mann die Frage, was er anziehen soll. „Wer das schönste Federkleid hat, kriegt die Frau“, so der Journalist Mark Simpson, der den Begriff „metrosexueller Mann“ vor gut 20 Jahren prägte. Die Firma Outfittery ist mit rund 500.000 Kunden und 300 Mitarbeitern, davon 150 Stylisten, nach eigenen Angaben Europas größter Personal Shopping Service für Männer. Sie war Start-up des Jahres 2012 (Gründerszene Deutschland).

Was Kerle laut Outfittery unbedingt im Schrank haben sollten – hier die Top Ten:

Fotos: Outfittery

Mantel aus Wolle – der ist warm und sehr elegant

Blauer Anzug – passt zu unterschiedlichen Anlässen und steht jedem

Grauer Anzug – die neutrale Farbe lässt sich gut kombinieren

Hemden – in Weiß und Hellblau lassen sie sich besonders variabel kombinieren

Lederjacke – ist warm und kann ewig getragen werden

Chino – passt an einem legeren Tag in der Freizeit

V-Pulli – passt super über ein Hemd

Jeans – in Dunkelblau, ohne starke Waschung, passt sie auch gut zum Sakko

Lederschnürer – ein Klassiker, der zu jedem Büro-Outfit gehört

Fotos: Outfittery

Slipper – passen im Sommer auch mal zum Anzug und natürlich zum Freizeit- Outfit

„Unsere Kunden mögen Smart Casual, d. h. Chino zu Hemd und Sakko oder auch mal eine schicke Jeans zum Hemd und einem feinen Pullover“, so Jens Bastian. Der 40-Jährige ist seit zweieinhalb Jahren Chefeinkäufer bei Outfittery. „Das ist ideal in der Freizeit, bei einigen aber auch im Büro. Dabei sind gedeckte, elegantere Farben wie Dunkelblau oder Anthrazit besonders beliebt, grelle Farben eher nicht.“ Die Möglichkeit, verschiedene Artikel flexibel miteinander kombinieren zu können, ist dabei am Wichtigsten. „Unsere Stylisten achten darauf, dass alles harmoniert und der Mann sich nicht mehr lange damit aufhalten muss, herauszufinden, ob das Shirt eher zum Hemd oder zum Pullover passt. Denn alles Daniel Gäsche ist aufeinander abgestimmt.“

Chefeinkäufer Jens Bastian

Zu den Männer-Trends im Jahr 2018 gehört Sportbekleidung, so Jens Bastian, der selbst am liebsten Wollsakko trägt: „Sportlich und schick kann 2018 gerne gemischt werden, auch die Jogginghose zum Sakko ist jetzt möglich. Dennoch würde ich diesen Trend nur den wenigsten empfehlen. Hosenschnitte werden weiter, als sie in den letzten Jahren waren, und ‚cropped‘, also kürzer, getragen.“ Der Trend zu Unisex-Mode und Partnerlook wird seiner Ansicht nach weitergehen, besonders im Streetwear- Bereich bei Sneakern, Jeans und Sweatshirts. „Dennoch glaube ich, dass der klassische Anzug und Krawatten zum Hemd tendenziell schon immer etwas Männliches bleiben werden, auch wenn es Frauen auch tragen.“ Der Outfittery- Chefeinkäufer findet, dass jeder das tragen sollte, in dem er sich wohlfühlt. „Ob das jetzt modisch ist oder nicht, ist dabei weniger wichtig. Nur ungepflegt zu sein, geht nicht. Und ein gepflegtes Äußeres wird nie aus der Mode kommen.“ www.outfittery.de

Schnauzer, Fünftagebart und Vollbart – Bärte, wohin das Auge reicht!

Apropos gepflegtes Äußeres, die Bartwelle scheint kein Ende zu nehmen. Laut Markus Brüchner vom Barbershop Beardy Boys in Prenzlauer Berg „tragen richtige Männer Bärte“. Die sogenannten „High Fashion Guys“ hingegen sind inzwischen schon wieder glatt. Vor zwei Jahren vermuteten die Barbiere von Beardy Boys, dass der ganz große Bart- Hype bereits überschritten ist. Marco Polensky von der Berliner Friseur-Innung sprach 2015 von einem Drittel aller Männer in Berlin, die Bart tragen. Es dürften inzwischen mehr geworden sein. Unter jungen Kerlen und in angesagten Kiezen trägt heute mindestens jeder zweite Typ Schnauzer, Fünftagebart, Vollbart oder eine andere Bartvariante. Verantwortlich für diesen Trend sind laut Marco Polensky gesellschaftliche Veränderungen und Emanzipationsbewegungen. In der 1968er Zeit wuchsen die Bärte, und heutzutage, wenn Frauenquoten in Politik und Wirtschaft Thema sind, versuchen die Kerle, mit den Bärten ihre Männlichkeit zu unterstreichen. Das vermutet nicht nur er. Ob man die Stoppeln und Gesichtsbehaarung generell mag oder nicht, Fakt ist, dass Bärte aus dem Männer- Alltag nicht mehr wegzudenken sind.

Foto: cwg – selected pictures

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