Spannende Sache: Stromladen in Deutschland

„Autopapst“, Autojournalist und Maschinenbau-Ingenieur Andreas Keßler - Fotos: privat

Man stelle sich Folgendes vor: Man fährt zur Tankstelle und wird zunächst nach seiner Kreditwürdigkeit befragt. Leider reicht als Antwort keine Kredit- oder Giro-Card, es muss etwas Spezielles, vorher zu Beantragendes sein. Speziell, weil es zwar über 60 Möglichkeiten gibt, aber nur eine akzeptiert wird. Spätestens hier würden Sie sagen: „Die spinnen ja! Dann tanke ich eben woanders …!“. Leider ist aber auch dort so ein Tanz fällig. Irre, oder?

Unsere Tankstellen-Infrastruktur kennt solche Spielchen glücklicherweise nicht, hier wird der Zapfhahn in den Tank gesteckt, getankt und dann der auf dem Zählwerk angezeigte Betrag an der Kasse mit der Kreditkarte bezahlt. Fertig! Und man ist schon vor dem Tanken bestens informiert, was das Ganze kostet: An jeder Tankstelle steht eine Preistafel mit den Kraftstoffpreisen, der Gesetzgeber will es so.

Wer allerdings mit einem Elektroauto neuen „Saft“ tanken muss, findet zwar inzwischen in Großstädten immer öfter eine Ladesäule, aber keine Informationen über den Preis des Ladestromes. Nur in ganz seltenen Fällen gibt es ein Display mit Preisangaben und einem Zählwerk für die geladene Strommenge. Stattdessen zeigt das Display des Autos den Ladezustand der Batterie in Prozent, was aber keine Rückschlüsse auf die Kosten des Ladevorganges zulässt. Voraussetzung für den Ladevorgang ist zudem eine „Akkreditierung“ mit einer App, einem Zugangs-Chip oder einer Magnetstreifenkarte, von denen es in Deutschland unübersehbar viele gibt, die natürlich nicht untereinander kompatibel sind. Dafür kostet jede Zugangsberechtigung zusätzliches Geld: Wer alle Strom-Tank-Karten vorhalten wollte, ist pro Monat mit mindestens 500 € dabei, ohne eine einzige Kilowattstunde getankt zu haben. Das ist ein zwar eher theoretischer Fall, zeigt aber die Tendenz, die in der Welt der Ladeinfrastrukturbetreiber herrscht: Der E-Mobilist muss gemolken werden! Was der Strom für das Auto kostet, erfährt man frühestens nach dem Laden mit der jeweils passenden App, manchmal sogar erst am Monatsende auf der Abrechnung. Und darauf stehen Posten, die an das Gebaren der Mobilfunkanbieter vor dem Eingreifen der EU erinnern: „Strom-Roaming“ für Kunden anderer Stromanbieter oder „Nachtzuschläge“ für Ladungen, die außerhalb der Bürozeiten stattfinden. Solange im Mobilitätssektor versucht wird, mit Strom die gleichen Umsätze wie die Mineralölwirtschaft zu erreichen, wird das nichts mit der „Mobilitätswende“. Dazu sind Elektroautos zu teuer und die Akkus zu klein …

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