Zum Aperitivo in die „Bar Milano“

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Fotos: Bar Milano

Eine Bar wie die „Bar Milano“ in der Brunnenstraße in Mitte muss man entdecken. Sie verbirgt sich hinter dezent getönten Schaufensterscheiben. Mancher Anwohner ist ganz überrascht, diese Perle zu finden, obwohl sie bereits im November 2014 ihre Pforten öffnete.

Die stylische Bar, die an das Mailand der 1970er-Jahre erinnert und keine geringere als die „Bar Basso“ – eine Mailänder Institution – zum Vorbild hat, füllte in Berlin eine Marktlücke. Hier wird die klassische italienische Aperitivo-Tradition gepflegt. Man trifft sich auf einen Negroni oder Spritz und läutet den Abend bei ein paar exquisiten Häppchen ein. Zum Interview mit Geschäftsführer und Mitinhaber Kappa gab es wegen der frühen Tageszeit keinen Aperitivo, sondern einen Espresso."

Die beliebtesten Cocktails?

Natürlich sind es hier Aperitivi, darunter der in der „Bar Basso“ vor Jahrzehnten erfundene „Negroni Sbagliato“ (sbagliato = verkehrt oder falsch), der hier in Berlin „Negroni Milanese“ heißt. Das Rezept entstand, erzählt Kappa, als ein Gast in Mailand einen Negroni bestellte. Weil in der Bar gerade kein Gin vorrätig war, bereitete der Barmann den Drink stattdessen mit einem Prosecco zu. Daraus ist eine Erfolgsgeschichte geworden.

Das günstigste und das teuerste Getränk?

Los geht es mit erfrischenden Alkoholfreien wie Chinotto, Arancia und Gazzosa von Lurisia für 3 Euro, das sind hochwertige Limonaden ohne chemische Zusatzstoffe. Wein von kleineren Winzern in Norditalien und der Region Emillia Romagna gibt es ab 4 Euro. Ein wahrer Hingucker ist der „Negroni Sbagliato Bar Milano“ im riesigen Glas. Er entspricht von der Menge her etwa drei normalen Negronis und kostet 12 Euro.

Besonderheiten bei den Cocktails?

Geheimrezept! Einen grün schimmernden selbstgemachten „Blended Gin“, bei dem eine Infusion aus verschiedenen Kräutern zur Anwendung kommt, verwenden die Barkeeper für ihren einzigartigen Negroni.

Fass- oder Flaschenbier?

Natürlich werden italienische Flaschenbiere gereicht: „Birra Moretti“, das etwas herbere „Peroni Normal“ in der braunen Flasche und das mildere „Peroni Nastro Azzurro“ in der grünen Flasche. Außerdem gibt es das seltenere „ichnusa“. Dieses Bier nennt sich „Anima Sarda“, also die „Seele Sardiniens“.

Was gibt es zu essen?

Die Speisen sind die eigentliche Besonderheit der Bar. Zu den spritzigen Getränken werden Platten mit delikaten italienischen Kleinigkeiten gereicht. Sie stammen u. a. aus einer Metzgerei in Treviso, die nur 200 Schinken im Jahr herstellt. Wer mehr Appetit hat, kann sich Gerichte wie Affettato Misto, Burrata, Bresaola, Piadina und Bruschetta bestellen.

Die Einrichtung?

Graue Wände, ein riesiger Spiegel, Marmor, Messing, Leder, Holz. Italienische Designerlampen von Martinelli und Flos. Schick im besten Sinne des Wortes. Zuerst ist man gebannt von dem riesigen Tresen aus Marmor, der wie ein Block in der Bar schwebt und 35.000 Euro gekostet hat. Die Bar hat der Architekt Thilo Reich, der auch das „Daluma“ und die Bar „Saint Jean“ in Mitte gestaltete, zusammen mit Kappas Ehefrau Eva und dem griechischen Produktdesigner Thanos Karampatsos eingerichtet. Klassische Tische gibt es kaum, man macht es sich hier ungezwungen auf einer der 30 Sitzgelegenheiten gemütlich oder kann am Tresen stehen.

Musik?

Celentano, Mina, Ramazzotti? No! Italienische Musik läuft hier nicht, stattdessen gibt es Funky Disco und Lounge Musik auf die Ohren. Kappa stellt seine eigenen Playlisten zusammen. Damit man sich gut unterhalten kann, ist die Musik nicht so laut wie anderswo. Außer am Freitagabend, wenn es mit rund 80 Gästen rappelvoll in der „Bar Milano“ ist. Dann wird schon mal Spaßiges von Eminem bis ABBA laut aufgedreht, damit alle mit Schwung ins Wochenende kommen.

Kundschaft?

Kaum Touristen, sondern vorwiegend Stammkunden. Architekten, Designer, Ärzte und Anwälte sind darunter. Viele Leute mit extravagantem Geschmack, die neben dem Kulinarischen auch das Interiordesign zu schätzen wissen.

Betreiber?

Kappa ist geboren und aufgewachsen in Düsseldorf. Seine Eltern stammen aus Süditalien. Er führt die Bar zusammen mit fünf Partnern, darunter auch seine aus Griechenland stammende Frau Eva, eine Rechtsanwältin. Kappa bezeichnet sich selbst als „Start-Upper“, weil er es liebt, immer wieder neue Projekte in den verschiedensten Bereichen anzuschieben. Erstmals ist er mit seiner Bar in der Gastronomiebranche tätig. Dazu hat er ein Team von 12 Italienern um sich herum versammelt und ist selbst auch fast jeden Tag in der Bar anzutreffen.

Zukunft?

Die Bar ist recht klein und manchmal dem Ansturm der vielen Gäste kaum gewachsen. 2018 wird alles noch besser, denn dann wird sie sich räumlich erheblich vergrößern.

Geöffnet?

Jeden Tag ab 18 Uhr. Wochentags geht es bis 1 oder 2 Uhr, am Freitag und Sonnabend wird um 2 Uhr die letzte Runde ausgeschenkt.

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