Klaus Hoffmann

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Für viele Fans ist Klaus Hoffmann einfach Kult, er, der einfühlsame, manchmal zweifelnde und sensible Sänger. Seit nunmehr 40 Jahren steht er auf der Bühne – erst als Schauspieler, damals im alten West-Berlin, an der Freien Volksbühne in „Die neuen Leiden des jungen W.“ Mitte der 1970er-Jahre. Dann auch zunehmend als Sänger: Sein erstes Album „Klaus Hoffmann“ veröffentlichte er 1975. Seine Berlin-Lieder, das melancholische „Was fang‘ ich an in dieser Stadt“ und das lebenslustige „Salambo“, sind Evergreens.

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Wie gingen diese 40 Jahre vorbei?

Rückblickend, gingen sie sehr schnell. Mich wundert es, wie manisch ich das alles gemacht habe. Ich habe ja mit 16 angefangen – Autodidakt, tagsüber bin ich in die Lehre gegangen als Außenhandelskaufmann – und bin dann nachts durch die Clubs getingelt. Und dann habe ich so stümperhaft meine Gitarre malträtiert. Und wollte immer werden, was ich heute bin. Ich bin jetzt 66, ist doch toll. Aber ich kann nur jeden warnen, der das machen will: Es ist ein alles auffressender Beruf, ich bin Schauspieler, Sänger, Autor – und diese drei haben das Leben bestimmt. Ja, es ging alles so schnell – halt die Zeit an. „Halt sie an – wie du es machst, weiß ich auch nicht.“

Klaus Hoffmanns Keimzelle ist die Tradition der Liedermacher, seine ersten Auftritte absolviert er im legendären „Go In“ in der Bleibtreustraße … Er, der Freigeist und Dichter, besingt „sein“ Berlin liebevoll und mit Herzblut … Wie sind seine Erinnerungen an diese Zeit?

Ich sah fantastisch aus. Ich hatte einfach Schwein. Ich war eine Zeit lang in Afghanistan. Weil wir abhauen wollten nach Goa. Dann kam ich zurück und war Briefträger. Eilige Arzneimittel habe ich auch geliefert in Neukölln. Und hab‘ mit meiner damaligen Liebe da gelebt – und bin da zur Schauspielschule gegangen. Und hab‘ das geschafft – durch einen Zufall: Von 1.000 Leuten haben sie zehn genommen an der Max-Reinhardt-Schule. Hoch politisch damals alles. Und ich war so ein Freigeist. Und dann im letzten Jahr hat die Atemlehrerin Ilse Middendorf zu mir gesagt: „Geh mal rüber. Der Kurt Hübner aus Bremen sucht eine Zweitbesetzung, neben Dieter Borsche.“ Und der Dieter hat gleich gesehen, was für ein genialer Typ ich bin. Und ich lag einfach auf dieser Rolle. Und dann wurde ich eine Erstbesetzung in „Equus“, 1974 an der Freien Volksbühne.

Wie ging es dann weiter …

Also dann wollten die mich auf die Liebhaberrollen festlegen, damit hatte ich schon meine Probleme. Und dann kam der Knick, am Thalia Theater in Hamburg: Ich sollte noch eine Film-Rolle, den schönen Gigolo, spielen. Aber Intendant Boy Gobert sagte, „Das kommt nicht in Frage“ – die Rolle hat dann David Bowie gespielt. Das war an sich ein blöder Abgang, aber ich bin ja immer Schauspieler geblieben, auch als Sänger …

Ich will drehen. Unbedingt. Hauptsache, die Rolle erzählt etwas.

Apropos: Es soll auch wieder reine Schauspiel-Auftritte geben – gibt es konkrete Pläne?

Ach, ich warte immer noch auf das Drehbuch, was es ja so nicht gibt. Habe selber auch an einem geschrieben. Und schreibe auch an einem Bühnenstück. Bin aber so beschäftigt. Und ernähre ja auch eine ganze Menge Leute … Und die Pläne sind immer erst dann etwas wert, wenn sie auch verwirklicht sind. Ich will drehen. Unbedingt. Hauptsache, die Rolle erzählt etwas. Aber ich bin froh, dass ich Sänger bin, mit einer eigenen Firma.

Von Anfang an singt Klaus Hoffmann auch Titel von Jaques Brel. Und dann feiert das Musical „Brel, die letzte Vorstellung“ mit Songs wie „Amsterdam“, „Marieke“ und „Geh nicht fort“ vor ziemlich genau 20 Jahren Premiere im Berliner Schiller Theater, ein Riesenerfolg, mit Klaus Hoffmann in der Hauptrolle …

Und ein Riesen-Orchester. Das Schillertheater hat inzwischen längst zugemacht. Das war schwierig, bis die FAZ mich anerkannte … Die Engländer wollten Brel in London machen, ich wollte ihn in Englisch spielen, sie sagten, das schaffst du nicht! Da machte ich es in Berlin, aus Trotz.

Die neue CD heißt „Leise Zeichen“, veröffentlicht zum 40. Bühnenjubiläum und 65. Geburtstag. Mit seinem langjährigen Partner Hawo Bleich am Flügel stellt Klaus Hoffmann sie auch in der „Bar jeder Vernunft“ vor.

Erst dachte ich, das kriegen wir gar nicht auf die Reihe. Weil das ja so ein ganz kleiner Titel ist. Wunderbar. Die alten Lieder sind immer die, die dich am meisten berührt haben. Und da habe ich ein paar Stadtlieder drauf, wie „Du machst mich immer noch verrückt“. Im Grunde mach‘ ich immer das gleiche. Darum ist die Stadt Berlin als Thema dabei. Also es brennt noch immer – aber du kannst das Ding nicht zurückdrehen. Und es kommt auch keiner mit einem Zertifikat: Das war Ihr Leben, das ist es. Sie haben noch 10–15 Jahre. Sie werden nicht wackeln und gut aussehen.

Wie fängt man das gesundheitlich auf, den ganzen Trubel?

Meine Frau fängt viel auf, mein Kater, Essen und Trinken. Und Sport musst du machen. Mein Osteopath sagt zu mir, „Wenn du von der Bühne kommt, hast du viel Adrenalin im Blut. Dann musst du den Ofen anfachen. Und davon musst du ‚runterkommen.‘“

„Der Narzissmus spielt für uns die größte Geige. Wir haben alle einen Spleen, sind eitel und hintergründig.“

Und trotzdem bleibt der narzisstische Anteil. Der Narzissmus spielt für uns die größte Geige. Wir haben alle einen Spleen, sind eitel und hintergründig. Wenn du mit Harald Juhnke z. B. essen gegangen bist, hätte er sein Publikum gebraucht, dann hätte er nicht mit dir das Gespräch geführt, sondern mit dem ganzen Laden. Und ich war eben ein introvertierter Typ, hab‘ Mädchenlieder gesungen: „Lass mich bei dir sein“ – es war ein Glück, dass ich von den Franzosen so beeindruckt war, dass der Narzissmus nicht nur siegte. Es ist immer noch die Botschaft, der Inhalt, der mich bewegt. Das Liebeslied, das widersprüchliche, das bleibt bei mir.

16 neue Songs hat Klaus Hoffmann nun neu im Gepäck – neben den 45 bisher veröffentlichten Alben. Musik mit Erinnerungen an seine Jugend in Berlin-Charlottenburg, hervorgeholt aus seinem Herzen.

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