Der Mann mit den vielen Gesichtern

Foto: GLORY FILM/Hendrik Heiden

Justus von Dohnányi – ein Name, den die meisten kennen, aber der sich nicht in eine Schublade packen lässt. Ein Mann mit Vorfahren, die Spuren in der deutschen Geschichte hinterlassen haben, und der sich selbst bereits einen eigenen Namen gemacht hat. Er ist weder abonniert auf Komödien, Charakterrollen oder Kinderfilme noch auf TV-Produktionen, Kino oder Theater. Und er ist auch nicht „nur“ Schauspieler, sondern auch Regisseur, Produzent und Drehbuchautor. Wir trafen den 56-Jährigen und sprachen mit ihm über seine Rolle hinter und vor der Kamera."

Herr Dohnányi, in Ihrem aktuellen Film „DER HUND BEGRABEN“ verkörpern Sie einen Familienvater, der nicht nur beruflich, sondern auch privat eine Krise durchlebt. Er fühlt sich von seiner Familie nicht mehr genug beachtet und bekommt dann auch noch einen Hund als Rivalen um die Gunst seiner Lieben vorgesetzt. Eine Komödie mit schwarzem Humor. Wie würden Sie Ihre Rolle beschreiben?

Hans Waldmann ist ein liebenswerter stiller Zeitgenosse, der mit dem Leben ganz zufrieden ist. Er hat sich sowohl beruflich als auch privat mit den Gegeben heiten arrangiert. Niederlagen erträgt er stoisch, er braucht nicht viel, um glücklich zu sein. Seine Kündigung im Job und die daraus resultierenden Probleme für ihn und seine Familie ändern alles. Er fühlt auf einmal Defizite. Er sucht nach Abwechslung und nach dem Moment, sich seiner Frau gegenüber zu offenbaren. Seine Probleme anzusprechen. Dadurch gerät er ungewollt in ein fatales Lügengeflecht.

Hans (Justus von Dohnányi) wird Zaungast seiner eigenen Familie

Neben der Situationskomik geht es ja um die Angst, ersetzbar zu sein, und um den falschen Umgang mit Problemen. Themen, die jeden von uns in der einen oder anderen Art beschäftigen. Haben Sie sich nach den Dreharbeiten vorgenommen, manches anders anzugehen?

Nicht wirklich wegen des Films. Aber ich denke, es ist ganz gesund sich ab und zu neben sich zu stellen und das eigene Handeln zu überprüfen. Das mache ich schon ab und zu.

Stichwort Familienvater. Sie haben zwei erwachsene Kinder und sind verheiratet. Wie haben Sie es trotz der zahlreichen Engagements und Rollen geschafft, sich genug Zeit für Ihr Privat- und Familienleben zu nehmen, um nicht eines Tages nach Hause zu kommen und durch einen Vierbeiner verdrängt zu werden?

Wir hatten einen Vierbeiner, der war Gott sei Dank sehr klein und hatte wenig Verdrängung. Was mir aber noch mehr geholfen hat, war und ist die Tatsache, dass ich nicht auf Teufel komm raus jede Möglichkeit ausnutze in meinem Beruf tätig zu sein, sondern schon genau abwäge, ob die jeweilige Rolle für mich richtig ist. Dadurch ergeben sich glücklicherweise Zwangspausen, die ich mit Freunden und Familie teilen kann.

Sie sind in Lübeck geboren und haben bis vor ein paar Jahren in Hamburg gelebt. Seitdem ist Ihr Lebensmittelpunkt in Berlin. Ist das eine endgültige Entscheidung?

Ich bin mit 2 Jahren aus Lübeck nach Kassel gezogen, mit 5 nach Köln, mit 7 in die Nähe von Frankfurt, dann mit 16 nach Hamburg und mit 18 nach München, danach habe ich wieder in Frankfurt gelebt und jetzt in Berlin. Irgendwie hört sich das nicht beständig an. An eine endgültige Entscheidung glaube ich daher erst auf dem Sterbebett.

Besuchen Sie nach wie vor gerne Ihre alte Heimatstadt und gibt es besondere Lieblingsecken?

Sehr gerne und viel zu selten. Ich liebe die Elbe und die Parks, die sich dort befinden.

Worin sehen Sie den Hauptunterschied zwischen beiden Metropolen und wo gehen Sie in Berlin hin, um zu entspannen?

Entspannen kann ich da, wo ich wohne. Grundsätzlich ist Berlin aufregender als Hamburg und daher weniger geeignet sich zu entspannen. Ich habe aber ein herrliches Arbeitszimmer, in dem ich mich gerne aufhalte und zum Beispiel auch Ideen für Filme bekomme.

Sie haben mal in einem Interview gesagt, dass Sie bei der Arbeit als Autor, Produzent und Regisseur am meisten schätzen, selbstbestimmt zu arbeiten. War das der Hauptgrund bei Filmen wie dem Tatort: „Das Dorf“ oder „Desaster“ hinter der Kamera zu stehen?

Es macht mir Freude Geschichten zu entwickeln und zu gestalten. Als Regisseur schätze ich den Einfluss auf das Gesamtwerk und die Gestaltungsfreiheit.

Bei aller Begeisterung und dem Erfolg dieser Filme hoffen wir natürlich nicht, auf Sie als Schauspieler verzichten zu müssen. Oder könnte das passieren?

Nein! Ich bin und bleibe in erster Linie Schauspieler.

Kaum ein Schauspieler erfindet sich in jeder seiner Rollen immer wieder neu und zeigt immer andere Facetten. Extreme Charaktere sind zu Ihrem Markenzeichen geworden: Sei es als schrullig-liebenswerter Bruce Berger in „Männerherzen“ oder als verschrobener Bösewicht in der aktuellen „Tim Thaler“-Verfilmung. Macht diese Vielfalt für Sie den besonderen Reiz des Berufes aus oder wollten Sie sich nur nicht in eine Schublade stecken lassen?

Ich habe einfach versucht mir den Grund zu bewahren, warum ich als junger Schauspielschüler seinerzeit mit dem Beruf angefangen habe. Damals habe ich mir nicht vorgestellt ein Leben lang die gleiche Rolle zu spielen. Gerade die Vielfalt der Figuren und ihrer Gefühle zeichnet die Faszination dieses Berufes aus.

„Die Frau in Gold“ oder an der Seite von Pierce Brosnan beim Bond „Die Welt ist nicht genug“ – Sie haben auch schon bei zahlreichen internationalen Produktionen mitgewirkt, wie unterscheidet sich die Arbeit dort von der in Deutschland?

In Teilen. Die hierarchischen Strukturen in den amerikanischen Produktionen sind eindeutiger abgegrenzt. Aber wenn es zum eigentlichen Dreh kommt, dann gibt es kaum Unterschiede.

Sie haben schon eine Vielzahl an Auszeichnungen im Schrank, u. a. zwei Mal den Deutschen Filmpreis. Gibt es noch eine Trophäe, die Sie gerne hätten, wie den Oscar? Und haben Sie eine Rolle, die Sie unbedingt noch spielen möchten?

Ich habe weder einen Preis noch eine Rolle, die ich unbedingt bekommen möchte. Mal sehen, was passiert.

Sie sind derzeit mit zwei Filmen im Kino zu sehen. Welche Projekte stehen noch für 2017 an – privat und beruflich?

Zurzeit führe ich Gespräche zu unterschiedlichen Projekten. Da noch nichts endgültig besiegelt ist, macht es keinen Sinn da vorzugreifen. Fest steht, im Herbst kommt der Kinofilm „ Das Pubertier“ mit mir in die Kinos, den Leander Haußmann geschrieben und inszeniert hat.

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