Selbst ist die Frau

Foto: Hornbach

Einst eine Männerdomäne, hat sich das Heimwerken längst auch beim „schwachen“ Geschlecht etabliert. Manche Frau geht mittlerweile fast so gerne in den Baumarkt shoppen wie in ein Schuhgeschäft. Das hat nichts – oder zumindest fast nichts – mit der Emanzipation zu tun, eher mit dem guten Gefühl, es auch selbst geschafft zu haben, natürlich auch mit dem Spaß an manchen Arbeiten und der Befriedigung, wenn es gut gelungen ist.

Der erste Weg, um leidenschaftliches Heimwerken auch in produktives und erfolgreiches umzuwandeln, führt zum Fachhändler. Denn zwei Grundvoraussetzungen müssen erfüllt sein: Man sollte wissen, was man tut und mit welchen Hilfsmitteln. Das richtige Knowhow muss her, sowohl mentaler als auch physischer Natur. Wer also keinen passionierten Handwerker in der Familie oder dem Freundeskreis hat, der gefragt werden kann, muss sich jemanden suchen. Eine Möglichkeit ist dabei das Internet. Hier gibt es verschiedenste Plattformen für alle, die den Hammer in die Hand nehmen und ihr Eigenheim selbst gestalten wollen. Heimwerker wie auch Profis bekommen in Hunderten von Artikeln praktische Hilfe und nützliche Tipps rund um die Themen Bauen und Renovieren in Haus und Garten. Gut aufbereitet mit ausführlichen Schritt-für-Schritt- Anleitungen, Bildstrecken, Videos und hilfreichen Neuigkeiten für Heimwerker und alle, die es werden wollen."

Wer besser lernt, wenn er einem Experten über die Schulter schaut, und es lieber mit persönlicher Anleitung versucht, der ist bei DIY Academy genau richtig, der Instanz in Sachen Heimwerken in Deutschland. In mehr als 30 unterschiedlichen Do-it-yourself- Angeboten lernen Einsteiger und Fortgeschrittene, anstehende Projekte rund ums eigene Heim selbst umzusetzen. Die Kurse finden entweder in einer der Werkstätten der DIY Academy in Nordrhein-Westfalen oder auch glücklicherweise für alle Interessenten, die nicht dort wohnen, bundesweit in Zusammenarbeit mit fast allen großen Baumarktfilialen wie OBI, Toom, Bauhaus, Hornbach oder Hagebaumakt statt. Geleitet werden sie von erfahrenen Trainern, die selbst aus dem Handwerk kommen. „In den Kursen geht es darum, dass die Teilnehmer die Scheu vor Material und Werkzeug ablegen und selbst merken, wo die Schwierigkeiten liegen“, erklärt ein Trainer. Außerdem wird allen auch noch die Weisheit mit auf den Weg gegeben, dass Heimwerken nichts für Perfektionisten ist. Schließlich ist es schwer oder fast unmöglich, so gut zu sein wie ein Handwerker, der nicht nur eine Ausbildung hinter sich hat, sondern es auch tagtäglich anwendet. Dennoch kann man natürlich auch als Laie es lernen, Renovierungen, Reparaturen oder auch einige Arbeiten beim Hausbau zur eigenen Zufriedenheit zu bewerkstelligen. Bevor es aber damit losgeht, bekommen die Teilnehmer erst mal eine ausgiebige Einführung in die Welt der Schrauben und Dübel, wann man was davon braucht und welche Unterschiede es zwischen einem Akku-Schrauber, einem Bohrhammer und einer Schlagbohrmaschine gibt. Nach den Grundlagen über Werkzeuge, verschiedene Materialien und Verarbeitungsschritte geht’s im anschließenden Praxisteil ans Eingemachte: Hier dürfen alle nach Lust und Laune loslegen. Die Fachtrainer stehen dabei die ganze Zeit mit praktischen Tipps und Tricks zur Seite. Wer möchte, kann sogar z. B. bei Bauhaus einen Werkzeugführerschein machen. Hier lautet das Motto: keine Angst vor Bohrmaschinen, Leitungen und Betonwänden! Hier lernt man, welche Bohraufsätze für unterschiedliche Materialien verwendet werden müssen, welche Dübel dazu passen und wie ein perfektes Bohrloch gelingt. Außerdem zeigen die Fachtrainer die richtige Handhabung von Stichsäge, Akkuschrauber und Schleifmaschine.

Das richtige Know-how

Neben dem richtigen Werkzeug kommt es beim Bohren, Spachteln, Schrauben & Co. natürlich auch auf die korrekte Handhabung an. Wer da noch Nachhilfe und Anleitung braucht, kann mal einen Blick in das Kursprogramm der Volkshochschulen werfen. Hier wird z. B. das richtige Restaurieren von alten Möbeln oder Tischlern für Anfänger gelehrt. Eine zweite Möglichkeit bieten auch hierfür die großen Baumärkte, die neben den Einführungen auch Kurse für Fortgeschrittene mit den verschiedensten Themenbereichen wie „Oberflächenbehandlung von Holz“, „Laminat oder Parkett richtig verlegen“ oder „wie gelingt das perfekte Tapezieren“ anbieten.

Ladys Specials

Natürlich können auch all die bisher erwähnten Kurse von Frauen besucht werden – allerdings fühlen sich manche dabei nicht so ganz wohl und fürchten den einen oder anderen kritischen Seitenblick der männlichen Kursteilnehmer. Da aber immer mehr Damen Gefallen am Heimwerken finden, haben sich die Baumärkte wie z. B. OBI des Themas seit einigen Jahren angenommen und bieten speziell für das schwache Geschlecht Programme an. In kostenlosen Workshops für Anfängerinnen oder auch für Frauen mit Vorkenntnissen werden die wichtigsten handwerklichen Kniffe wie Schleifen, Bohren, Dübeln, Schrauben oder Fliesen Verlegen vermittelt – und das alles in entspannter Atmosphäre. Die neuen Selbermacher sind weiblich – so eine Sprecherin von Bauhaus, die deshalb bundesweit in mehr als 60 Märkten die Women’s Week, die Women’s Night oder den Women’s Day anbieten. Genauso wie Wettbewerber Hornbach, der mit „women at work“ eine Werbelinie eigens aufs weibliche Geschlecht abgestimmt hat – schließlich sind mittlerweile mehr als die Hälfte aller Kunden in den verschiedenen Baumärkten Frauen.

Do-it-yourself-Trend

Generell geben laut einer Umfrage die Deutschen für Instandhaltungsmaßnahmen ihres Hauses oder der Wohnung jährlich durchschnittlich 600 Euro aus. 9,2 % bestätigten, dass sie sich regelmäßig mit Heimwerken und Basteln beschäftigen. Den ersten Aufschwung bekam das Heimwerken übrigens schon nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich die wenigsten Menschen einen Handwerker leisten konnten. 1957 erschien die erste Zeitschrift zu diesem Thema mit dem Titel: „Selbst ist der Mann“, drei Jahre später eröffneten die ersten Baumärkte mit Selbstbedienung nach amerikanischem Vorbild. Mittlerweile sind diese nicht mehr wegzudenken, erweitern ständig das Angebot und ermöglichen sogar den „Drive- In“-Einkauf. Und nicht selten steht bei vielen Singles – egal, ob Frau oder Mann – sowie Paaren und Familien für samstags eine „Shoppingtour“ im Heimwerkermarkt an. Auf dem Einkaufszettel stehen Holzbretter, Dichtungen, Schrauben oder Stichsäge. Bevor man aber so richtig mit Renovieren, Reparieren, Vergrößern, Einrichten oder Verschönern starten kann, sollte man einen Blick in den Werkzeugkasten werfen, ob denn auch alles, was gebraucht wird, vorhanden ist.

Grundrepertoire

In den Werkzeugkasten gehören neben unterschiedlichen Schraubenschlüsseln, wie z. B. einem Maulschlüssel, auch Elektrogeräte wie ein Akkuschrauber und eine Schlagbohrmaschine, da sie die Arbeit erleichtern. Allerdings sind auch Zollstock, Tischlerwinkel, Wasserwaage sowie Hammer, Kneif- und Kombizange, Schlitz- und Kreuzschraubenzieher wichtig. Wer viele Schreinerarbeiten vorhat, sollte auch an Sägen, zum Beispiel eine Universal- oder Feinsäge für Holz und Kunststoff sowie eine Stichsäge für Aussparungen, denken. Zur Bearbeitung von scharfen Kanten sind Feilen und Schleifpapier wichtig. Nach und nach kann man dann noch zusätzliche Werkzeuge wie eine Handkreissäge oder einen Winkelschleifer anschaffen. Egal, welches Werkzeug, die Qualität sollte stimmen. Denn billige oder minderwertige Teile können sich verbiegen und bergen dadurch ein Verletzungsrisiko. Einen hochwertigen Hammer beispielsweise erkennt man unter anderem an seinem Gewicht. Er sollte etwa 300 Gramm wiegen – so der Experte.

Mach es selbst

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Zwar wählen einige frischgebackene Haus- oder Wohnungsbesitzer notgedrungen die „self-made“-Variante, weil das Budget knapp bemessen ist und man nicht für jede Kleinigkeit einen Profi bezahlen möchte oder kann. Aber auch im täglichen Alltag fällt in den eigenen vier Wänden immer etwas an, was kaputt geht, verändert, gedämmt, montiert und gewartet werden muss. Oder man hat Lust und möchte ein altes Möbelstück restaurieren. Und so greifen viele Männer – und immer mehr Frauen – zu Hammer, Spachtel oder Rohrzange. Frei nach der Devise: „Einfach selber machen“, egal, ob die Küche streichen, das Bad fliesen oder den Dachboden ausbauen – obwohl Letzteres eher ein Projekt für Fortgeschrittene ist.

Nur ein bisschen handwerkliches Geschick hingegen braucht man beim Entlüften der Heizungskörper, gerade jetzt in der kalten Jahreszeit eine Notwendigkeit. Sonst werden sie nicht heiß und gluckern ohrenbetäubend. Die richtigen Handgriffe stehen meistens in der Bedienungsanleitung. Hilft auch ungemein, wenn es trotzdem im Haus nicht richtig warm wird: das Abdichten von Fenstern. Wenn man nicht genau weiß, woher es zieht, hilft es, eine brennende Kerze aufzustellen und zu beobachten, wie sich die Flamme verhält, sagt eine Beraterin im Verband Privater Bauherren. Bei Kunststofffenstern hilft es meistens schon, die Beschläge zu ölen und neu einzustellen. Bei Metall- oder Holzfenstern kann man selbstklebende Dichtungsbänder aus Schaumstoff oder Gummi verwenden. „Wenn die Türen zwar dicht sind, aber quietschen, müssen einfach nur die Bänder geschmiert werden. In der Regel wird dazu die Zimmertür aus den Angeln gehoben“, erklärt Michael Pommer, Trainer an der Deutschen Heimwerker Akademie in Köln. Der dann freiliegende Gewindedorn des Türbandes wird gesäubert, eingeölt und dann die Tür wieder eingehängt. Am besten nimmt man dafür Öle für Fahrradketten, da sie nicht so leicht eintrocknen.

Ein Projekt, das auch keinen Aufschub duldet, ist ein tropfender Wasserhahn. Kaum ein Geräusch ist nerviger als das regelmäßige Plopp. Oft ist eine kaputte Dichtung schuld. Ersatz dafür gibt es im Baumarkt. Allerdings muss, bevor der Hahn abgeschraubt wird, unbedingt das Wasser abgestellt werden. Bis man Zeit für die Reparatur findet, kann man Abhilfe schaffen: Einfach einen Faden um den Hahn binden und das lose Ende bis auf den Boden des Beckens hängen lassen, damit die Tropfen daran geräuschlos entlangfließen können. Schon etwas schwieriger ist es, einen verstopften Abfluss in den Griff zu bekommen, wenn der Einsatz der Saugglocke nicht den gewünschten Erfolg bringt. Dann muss der Siphon abgeschraubt und gereinigt werden. Ehe dabei das Bad unter Wasser gesetzt wird, sollte man entweder einen Fachmann fragen oder sich eine detaillierte Beschreibung im Internet anschauen.

Einfacher zu bewerkstelligen ist da schon das Renovieren. Die alte Tapete geht am besten mit einem Dampfentferner ab, den man sich ausleihen kann. Danach werden Risse und Löcher gespachtelt sowie ein paar Hilfslinien für die erste Bahn angezeichnet, die eingekleistert entlang der Markierungen nach unten fallen gelassen und danach mit einer Tapezierbürste von oben nach unten und von innen nach außen an die Wand gestrichen wird. Alle weiteren Bahnen folgen dann Kante an Kante. Schalter, Steckdosen und Vorsprünge werden am Ende mit einem Cuttermesser von der überschüssigen Tapete befreit – rät der Fachmann. Beim Streichen oder Tapezieren von Trockenbaubauwänden aus Gipsfaser- oder Gipskartonplatten, die man z. B. zuvor vielleicht selbst gebaut und eingesetzt hat, um ein Zimmer zu dämmen oder eine individuelle Raumgestaltung zu erreichen, gibt es ein paar Dinge zu beachten, so das Deutsche Tapeten-Institut. Die Fugen der Wand müssen verspachtelt und glatt geschliffen, der Untergrund sollte mit Tapetenwechselgrund vorbereitet werden. Ohne die richtige Vorbehandlung kann sich die oberste Schicht des Gipskartons beim Entfernen der Tapeten lösen. Wer die Trennwand lieber streichen will, muss die gesamte Fläche erst mit verdünnter Dispersionsfarbe tünchen, dieser erste Anstrich gleicht die Farbunterschiede von den Platten und der Spachtelmasse aus. Noch ein wichtiger Tipp von den Tapetenexperten: Heimwerker sollten gleich zu Beginn berechnen, wie viel Farbe sie benötigen, und entsprechend einkaufen. Muss man später nachordern, wird es sehr schwierig bis unmöglich, denselben Farbton zu treffen. Auch bei fertig gemischter Farbe gleich die gesamte Menge kaufen und zu Hause durchmischen. Gerade bei dunkler Farbe ist es wichtig, die Mischung gut umzurühren, da sie Farbpigmente besitzt, die sich am Boden des Eimers absetzen können.

Alt aussehen lassen

Wer einmal einem Zimmer mit einer Wand oder einem besonderen Hingucker eine ganz individuelle Note verleihen möchte, kann es ja mit dem angesagten Vintage Look probieren, der nach wie vor voll im Trend liegt, auch bei Möbeln. Das Procedere ist bei Wand oder Holzobjekt fast gleich. Einige Hersteller wie LEINOS Naturfarben haben sogenannte Vintage Sets mit Farben und Spachtelmassen für individuelle Gestaltungen im Angebot, um die Wohnzimmerwand oder die Kommode auf „alt“ zu trimmen. Zuerst kommt die gewünschte Grundfarbe, danach wird der Vintage Ground mit einem Spachtel darüber aufgetragen. Sind die Schichten trocken, wird alles wieder abgeschliffen, bis man den gewünschten Farbeffekt hat. Zum Abschluss kommt das Finish, um die Oberfläche zu schützen. Wenn man übrigens nach dem Grundieren einen Fön zum Trocknen nimmt, kann man interessante Risse in die Wand zaubern.

Ob individuelle Gestaltung, Tapetenwechsel, Generalüberholung, Reparatur oder Umbauprojekt – jeder Handwerkeroder Handwerkerinnen-Traum geht in Erfüllung, wenn man glücklich und stolz das Werk betrachtet, bei dem man nicht nur das Geld für den Profi gespart, sondern das man mit den eigenen Händen erschaffen hat.

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