Der Geschmacks-Gipfelstürmer

Sonja Frühsammer auf der Bühne der Komischen Oper. Ein lukullisches Meisterwerk

2011 gab es das erste eat! berlin. Vision und Wagnis in Balance. Fünf Jahre später kürte das Premium-Reisemagazin „Traveller’s World“ das Feinschmeckerfestival zu einem der zehn besten der Welt. Vom 24. Februar bis zum 5. März 2017 bringt das kleine Team um „Erfinder“ und Berufsfeinschmecker Bernhard Moser die Stadt mit eat! berlin zum Kochen.

Als Bernhard Moser um die Jahrtausendwende aus Österreich nach Berlin kam, hatte der gelernte Koch Auszeichnungen vom Gault Millau – erkocht mit seinem Bruder – in der Tasche und den festen Willen, seinen Platz in der Stadt zu finden, die zum einen mit „dem ungenießbaren arm, aber sexy“ warb und sich zum anderen zu einem lebendigen Schauplatz der gehobenen Gastronomie entwickelte. Hier zeigten die gestandenen Altmeister und die jungen Wilden, dass von Berlin kulinarisch noch viel zu erwarten war. „Ich habe ein tiefes Verständnis für die Stadt, ich fühle sie“, bekennt der Sommelier, der 2004 seine Weinschule gründete, und längst auch ein gesuchter Autor für Themen rund um gutes Essen und Trinken ist. Das so häufig einseitig propagierte Bild der Stadt – „das sitzt ein tätowierter Hipster an der Spree und säuft Bier aus der Flasche“ – nervte ihn gehörig. „Mit eat! berlin haben wir Menschen abgeholt, die in den letzten Jahren oft vergessen wurden – das Bürgertum, für das Genuss ein wichtiger Lebenswert ist. Zudem offerieren wir Veranstaltungen für Menschen, die sich für Luxus nicht schämen und voller Sinnenfreuden Spitzenleistungen von Köchen und Winzern genießen“, erklärt Bernhard Moser die Startsituation des Feinschmeckerfestivals, das eigentlich nur ein Teil eines viel größeren Projektes werden sollte, mit dem der kreative Kopf das Profil der Genuss- Hauptstadt schärfen wollte. „Nur eins verträgt die Stadt nicht: Snobismus in hohen Dosen“, weiß er. Vielleicht ist deshalb eat! berlin das einzige Feinschmeckerfestival weltweit, das mit Leitungswasser statt mit einem Edel-Wasser, das quer durch Europa angefahren wird, versorgt wird.

Champagner von Klein- und Kleinstproduzenten schenkt Sascha Rybarczyk (r.) aus. Dazu die feine französische Küche von Thomas Kurt. Titel des Abends: „Champagner für mich – Sekt für meine Freunde“

Zudem gibt es auch keinen Champagnersponsor, der sich überall mit dem Logo präsentiert, auch das wäre Moser zu abgehoben: „Dann lieber Winzersekt“. Stattdessen gehören die Berliner Wasserbetriebe, die BSR, die Gasag , die METRO und Medienpartner wie Radio Eins, der Gault Millau und der Tagesspiegel zu den verlässlichen Partnern des Feinschmeckerfestivals. Schon im Premierenjahrgang saßen bekennende Genießer wie Joschka Fischer und Jan Josef Liefers an den Tischen; nur standen Anspruch, Engagement, kreative und finanzielle Investitionen in keinem Verhältnis zum wirtschaftlichen Ergebnis. Aufgeben? Bernhard Moser und Ehefrau Sina glaubten nicht nur an das Kind „eat! berlin“, sondern schufen beste Bedingungen, dass es in seiner ganzen Vielfalt zwischen kleinen, sehr feinen Veranstaltungsformaten, dem Ball der Gastronomie, einem Wettbewerb (Auszeichnung des besten Kochbuchs) und Ehrungen (Lebenswerk) wachsen und gedeihen konnte. 2016 knackte eat! berlin die 7.000-Besucher-Marke. Manch Veranstaltung war so schnell ausverkauft wie Konzerte von Rockstars. Gern vergleicht Bernhard Moser die Strahlkraft von eat! berlin mit einem Filmfestival. Das Format holt nicht nur die europäischen Küchenstars und vinophilen Größen nach Berlin, sondern auch internationale Gäste, die Koch-Kunst genauso schätzen wie die exklusiven Genussorte und die Veranstaltungsformate, die in jedem Jahr neu, anders und überraschend sind. Was 2017 zu bieten hat? Die Auswahl ist eine echte Herausforderung, schon die Appetithappen offenbaren die Einmaligkeit:

  • Nach der Aufführung von „Schneewittchen und die 77 Zwerge“ in der Komischen Oper deckt eat! berlin nach der Vorstellung inmitten des gigantischen Bühnenbildes die Tafeln. Sonja Frühsammer kocht dann als Schneewittchen 7-Zwerge-Gänge.
  • Bei der Tour de Cuisine besuchen acht Feinschmecker die Küchen von Jörg Behrend (Hotel de Rome), Marco Müller (Weinbar Rutz), Hendrik Otto (Lorenz Adlon) und Ivo Ebert (einsunternull). Die Spitzenköche servieren jeweils einen Gang und freuen sich auf die Gespräche mit bekennenden Feinschmeckern.
  • Bei „willkommen zurück“ begrüßen die Gäste internationale Spitzenköche, deren Karriere mit Berlin verbunden ist, so Sauli Kemppainen (ehemals Brandenburger Hof) und Paul Ivić (einstiger Küchenchef des Resort Schwielowsee, drei Hauben für ein komplett vegetarisches Menü). Große Namen und lange Anfahrtswege stehen schon auf den Moser-Listen für die kommenden Jahre.
  • Privat und emotional ist der „Brüderabend“. Diese Veranstaltung widmet Bernhard Moser seinem im vergangenen Jahr verstorbenen Bruder. Den Abend gestalten ausschließlich Köcheund Winzer-Bruderpaare. Rund 40 Veranstaltungen an zehn Festivaltagen laden ein, die genussvollsten Seiten der Hauptstadt kennenzulernen. Zugleich offenbart das Programm das Urvertrauen der Berliner Spitzenköche in Bernhard Moser, der Veranstaltungen erdenkt, die auf den Gipfel führen, wo der Blick weit ist. Mit dabei sind Künstler, Mediziner, Filmleute, Sportler, Moderatoren …, die das Erlebnis Essen und Trinken noch vollkommener machen. Überraschungen sind Programm.

Sven Oswald und Daniel Finger treiben es zur Eröffnung „wild und gefährlich“

Es ist wohl gerade der geschickt gespannte Spannungsbogen zwischen Luxus auf der einen und Nonchalance auf der anderen Seite, warum die ersten Veranstaltungen schon Stunden nach dem Start ausverkauft waren. Ab Freitag, 24. Februar 2017, wird gekocht und es kommt eine Tatortkommissarin mit einer Künstlerin zusammen, ein Zootierarzt diskutiert mit einem deutschlandweit bekannten Satiriker und einem Neurologen, alles unter dem Motto wild und gefährlich.

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