„Ende vom Lied“

Harald Hauswald, Aus der Serie Alltag, 1978-1989 U-Bahnlinie A, Ost-Berlin, 1986, DDR Schwarz-Weiß-Fotografie Courtesy the artist/OSTKREUZ

Knapp 1.000 Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt nutzten es bislang schon als Sprungbrett für ihre Karriere. Das Künstlerhaus Bethanien beherbergt in dem bekannten Gewerbehof „Lichtfabrik“ zahlreiche Künstlerateliers und an der Kottbusser Str. 10 gelegene Galerieräume. es hat sich als internationales Kulturforum die Förderung der zeitgenössischen bildenden Kunst auf die Fahnen geschrieben.

Geschäftsführer Christoph Tannert machte uns neugierig auf anstehende und kommende Projekte."

Christoph Tannert
Christoph Tannert

Herr Tannert, ab dem 15. Juli läuft die Ausstellung „Ende vom Lied“ bei Ihnen im Künstlerhaus Bethanien. Wie kam es zu dem Titel und dem Projekt und worum geht es in der Ausstellung? Die Ausstellung bezieht sich auf die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann aus der DDR. Das war vor 40 Jahren. Aber noch heute ist die Erinnerung an die frechen Lieder und die mutig vorgetragene Kritik dieses Künstlers gegenüber den Mächtigen im Unrechtsstaat DDR lebendig. Es handelt sich um ein Projekt, das parallel zur Ausstellung „Gegenstimmen. Kunst in der DDR 1976–1989“ im Berliner Martin-Gropius-Bau läuft, wo es um das gleiche Thema geht und um Haltungen, die eine Antiposition zum „vormundschaftlichen Staat“ DDR einnehmen.

Welche Künstler stellen aus? Gezeigt werden Werke von Künstlern und Künstlerinnen, die in der DDR gelebt haben (z. B. nicht nur als Ostdeutsche, sondern auch als Japaner oder Palästinenser) oder die von heute aus auf die DDR zurückblicken und sich für die Frage interessieren, wie man sich als Mensch mit kreativem Potenzial kritisch gegenüber Unrecht verhält und mit Kunst Zeichen setzen kann gegen Systeme der Angst.

Was erwartet den Besucher? Wir zeigen Dokumentationen von Konzerten von Wolf Biermann – vor seiner Ausbürgerung 1976 und direkt nach dem Mauerfall 1989 sowie ein Interview mit dem Künstler, das die Ereignisse von 1976 reflektiert. Außerdem sind natürlich Bilder und Skulpturen zu sehen, die mit dem Künstler persönlich zu tun haben, die ihn porträtieren, würdigen oder seine Rolle hinterfragen. Und wir zeigen Fotografien, die den Alltag in der DDR dokumentieren: das öffentliche Leben im Überwachungsstaat, die Irrationalitäten der Mangelgesellschaft, die Geheimstrategien des Staatssicherheitsdienstes. Aber auch das Aufbegehren der jungen Leute und der Künstler.

Ist die Ausstellung auch für Menschen ohne DDR-Background verständlich? Gute Kunst ist immer und für jeden verständlich. Außerdem gibt es erklärende Texttafeln.

Es ist sicher ein bewegendes Thema, mit welcher Stimmung kommt man aus der Ausstellung? Ich nehme an, dass Nachdenklichkeit vorherrschen wird.

Haben Sie ein Lieblingsstück in der Ausstellung? Ich amüsiere mich über eine verbogene Gitarre von Via Lewandowsky, bei deren Anblick einem aber das Lachen im Halse stecken bleibt.

Warum? – Das fragt sich hier der geneigte Leser und bekommt das am besten selbst heraus – bei einem Besuch im Künstlerhaus Bethanien. (Anm. der Redaktion)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*