Der „König der Kuchen“

Fotos: Sabeth Stickforth

Als durch Potsdams Mitte noch Pferdebahnen fuhren, viele Uniformierte durch die Stadt schwadronierten und der Kaiser gern hierher reiste, um dem quirligen Berlin zu entkommen, machte sich Ernst Rabien auf den Weg, mit seinen süßen Köstlichkeiten die Residenzstadt zu erobern. es gelang ihm mit Sahnehäubchen.

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Ende der 1870er-Jahre stand der junge Konditormeister zum ersten Mal – in der Konditorei Kessner in der Nauener Straße 57. Von da an bezauberte Ernst Rabien die gut betuchten Potsdamer samt Hofstaat mit seinen himmlischen Torten, feinen Pralinés, köstlichen Petit Fours und wohlschmeckenden Kuchen. 1903 übernahm der inzwischen zum „Hofconditor“ Ernannte das Café am Nauener Tor, das von da an „Café Rabien“ hieß und heute Café Heider ist. Eine Institution war entstanden, doch nicht nur das. Ernst Rabien gründete eine Konditoren-Dynastie, die Könige belieferte, Ufa-Stars zu Dankesbriefen motivierte und nun schon in vierter Generation Tausenden Menschen das Leben mit ihren Köstlichkeiten versüßt. Urenkel ist der Konditormeister Johannes Rabien, der die ununterbrochene Familientradition in Berlin-Steglitz weiterführt. Er ist stolz auf die Familien- und Firmengeschichte in goldenen und schwierigen Jahren. In Zeiten, in denen die Torten kreiert wurden, deren Rezepte noch heute ein gut gehütetes Familiengeheimnis sind, und solchen, in denen nach Notrezepten mühsam gebacken wurde.

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Baumkuchen sind die Spezialität der Konditorei Rabien, Johannes Rabien führt die ehemalige „Fürstliche Hofconditorei“ in vierter Generation
Baumkuchen sind die Spezialität der Konditorei Rabien,
Johannes Rabien führt die ehemalige „Fürstliche
Hofconditorei“ in vierter Generation

Eine besondere Spezialität des Hauses ist Baumkuchen, der dank der traditionellen Fertigung hier zum „König der Kuchen“ wird. Zum aufeinanderfolgenden Backen der 13 bis 14 Schichten auf einer Welle vor dem Spezialofen gehören viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Das Rezept für das handwerkliche Produkt stammt von Ernst Rabien und wurde einst in Potsdam zum ersten Mal gebacken. Baumkuchen aus der Konditorei Rabien werden heute zu Kunden auf vier Kontinenten verschickt und schmecken auch noch immer den Gästen im Café Heider.

Seit 2014 betreibt Johannes Rabien wieder ein eigenes Café in der Steglitzer Klingsorstraße. „In unserem Logo erkennen Sie das Nauener Tor“, erklärt der Konditormeister, dessen Repertoire neben dem Baumkuchen mehr als 60 Torten umfasst. So unterschiedlich diese auch sind, eins haben sie alle gemeinsam: Sie entstehen so traditionell und naturbelassen wie möglich. „Wir verwenden keine Zusatzstoffe und Convenience-Produkte. Das schmeckt man“, weiß Johannes Rabien, der hofft, dass die Konditoren-Dynastie auch in der fünften Generation weiterbestehen wird.

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