Was macht eigentlich…Gesine Schwan?

Gesine Schwan, Politikerin, Berlin, in ihrem Büro , © 2009 Dirk von Nayhauß/Agentur Focus
Gesine Schwan, Politikerin, Berlin, in ihrem Büro , © 2009 Dirk von Nayhauß/Agentur Focus

Soziales Engagement wurde ihr in die Wiege gelegt, denn im letzten Kriegsjahr versteckten die Eltern von Gesine Schwan ein jüdisches Mädchen vor den Nationalsozialisten. Die promovierte Politikwissenschaftlerin lehrte mehr als zwei Jahrzehnte an der Freien Universität Berlin und war von 1999 bis 2008 Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Gesine Schwan ist Buchautorin, Mitglied verschiedener Kuratorien und gefragte Gesprächspartnerin, die stets den Mut und die Weisheit hat, gegen Mainstream-Meinungen anzutreten. Die geborene Berlinerin ist in zweiter Ehe mit Peter Eigen, Gründer der Nichtregierungsorganisation Transparency International, verheiratet. Das Paar ist stolz auf zehn Enkelkinder.

Wir trauen es uns zu sagen: Sie sind 72 Jahre alt – da gehen viele auf lange Kreuzfahrten oder züchten Rosen …

Kreuzfahrten interessieren mich nicht, zum Rosenzüchten fehlt mir die Geduld. Mit den Enkeln spiele ich regelmäßig sonntags, meist im Garten. Aber es ist wahr: Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, Pensionär zu sein. Etwas anzupacken sehe ich als Chance, nicht als Last. Es ist ein Glück, dass mein Mann und ich gemeinsam mit Freunden die HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform, die HUMBOLDT-VIADRINA School of Governance musste ja im vergangenen Jahr schließen, neu aufbauen und weiterentwickeln können.

Sind Sie heute mehr Herrin über Ihre Zeit als früher? Wie setzen Sie die Prioritäten?

In meinem Leben gab es nie eine scharfe Trennung zwischen Arbeit, Engagement und Muße. Ich hatte immer das Glück einen Beruf zu haben, in dem ich mir viel selbst einteilen konnte – sowohl die Zeit als auch die Themen. Aber es war auch immer unendliche Arbeit, denn diese Aufgaben, die ich mir stellte, waren nie wirklich erledigt. Das hatte aber auch sehr praktische Seiten: Wenn die Kinder mit blutigen Knien kamen, stand die Wissenschaft still.

Sind Sie noch immer mit der Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder) verbunden?

Ja, ich bin immer wieder da und habe gerade einen Vortrag über eines der Themen, die wir hier behandeln, gehalten: „Partnerschaftliche Familie als öffentliches Gut“. Die Zeit an der Viadrina war für mich eine besonders wichtige, schöne und herausfordernde und nicht umsonst heißen wir hier HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform.

Welche Projekte entwickelt und pflegt die Governance Platform?

Bereits in der HUMBOLDT-VIADRINA School of Governance habe ich eine politische Plattform eingerichtet, auf der sich längerfristig und vertraulich Vertreter von Politik, dem Unternehmenssektor und der organisierten Zivilgesellschaft treffen, um eine neue Art der Grundverständigung in der Gesellschaft zu schaffen. Diese Plattform haben wir nach dem Ende der School neu aufgebaut. Wir setzen diese Trialoge fort und bringen Politik, Unternehmer und Zivilgesellschaft mit Wissenschaft und Medien im vorstaatlichen Raum zu vertraulichen Argumentationen in Bezug auf ihre jeweiligen Perspektiven zusammen. Demokratie braucht einen partnerschaftlichen Umgang im individuellen Bereich und in der Gesellschaft. Mein Mann bringt seine reichen Erfahrungen mit globalen Aktivitäten in der Weltbank und später bei Transparency International in die Arbeit ein. So hat er eine Initiative gegründet und fünf Jahre geleitet, die sich weltweit für Transparenz im Rohstoffsektor engagiert. Im Kern geht es darum, dass die Gelder, die Konzerne an Länder zahlen, in denen Rohstoffe gefördert werden, öffentlich gemacht werden. Nächste Aufgabenfelder sind die Bekleidungsindustrie und die Fischerei.

von Brigitte Menge

www.governance-platform.org 

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